Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf // 15.11.2025. Puh… eigentlich wollte ich den Konzertbericht schon längst veröffentlichen, doch dann überschlagen sich die Ereignisse rund um Arch Enemy, und plötzlich kam mir das alles ziemlich surreal vor. Aber keine Sorge, hier geht es nicht um eine Diskussion über die Trennung von Alissa White-Gluz bei Arch Enemy. Das hat sicherlich seine Gründe und am Ende ist es egal, ob man es gut oder schlecht findet. Eines steht aber fest: Ich habe die Show in Düsseldorf wirklich genossen und bin froh, Arch Enemy ein letztes Mal mit Alissa erlebt zu haben. Doch nun der Reihe nach…
Den Anfang machten Gatecreeper, eine US-amerikanische Death-Metal-Band, die von der ersten Minute an Vollgas gaben, obwohl die Halle noch ziemlich leer war. Gegründet im Jahr 2013, war mir die Band bis dahin unbekannt. Okay, Death Metal gehört nur in Ausnahmefällen zu meinem Lieblings-Genre, aber die Jungs hatten auf jeden Fall ihre eigene Fanbase mitgebracht, wenn man den Bandshirts in der Halle glauben durfte.
Für mich persönlich war es leider ein ziemlich wildes Geknüppel, welches hauptsächlich aus einer Handvoll Riffs bestand. Auch fehlten mir die Melodien, die auch im Death Metal durchaus vorhanden sind. Zudem fiel mir auf, dass die Band fast schon penetrant zum Circle Pit aufforderte. Und dann das Bühnenlicht, was wirklich katastrophal war – was bei Support-Acts zwar nicht ungewöhnlich ist, aber so dunkel wie bei Gatecreeper habe ich es schon lange nicht mehr erlebt. Trotzdem schien es den Fans zu gefallen, genauso wie unserer Susanne Kneisel, die deren 2024er Album „Dark Superstition„ rezensiert und gefeiert hat. Nach rund 30 Minuten war der Spuk dann vorbei und die Halle füllte sich langsam für den nächsten Act.
Leider gibt es von Gatecreeper keine Setlist.
Als nächstes betraten Eluveitie die Bühne. Wer die Folk-Metal-Band aus Winterthur kennt, weiß, dass einem hier ein melodisches, aber keineswegs sanftes Set bevorstand. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie der Mix aus alter keltischer Musik und Metal funktioniert, vor allem mit traditionellen Instrumenten wie z.B. Mandola, Drehleier, Uilleann Pipes (irischem Dudelsack), Akustikgitarre, Bodhrán (irische Rahmentrommel) oder keltischer Harfe.
Für mich war das ein erster Höhepunkt des Abends, vor allem durch das Wechselspiel der beeindruckenden Growls von Chrigel Glanzmann und dem fast elfengleichen Gesang von Fabienne Erni. Doch nicht nur ich, sondern auch die Fans wurden von der ersten Minuten an von Eluveitie abgeholt und feierten die Band. Ihr 45-minütiges Set bot eine gelungene Mischung aus 25 Jahren Bandgeschichte, darunter auch mein persönlicher Favorit „The Call of the Mountains“.
Setlist (Quelle Setlist.fm):
- Ategnatos
- Deathwalker
- The Prodigal Ones
- A Rose for Epona
- Ambiramus
- The Call of the Mountains
- King
- Inis Mona
Als die finnischen Amorphis die Bühne betraten, übernahmen sie nahtlos das Ruder. Auch wenn die Stimmung schon sehr aufgeheizt war, legten die Death-Metaller noch einmal eine ordentliche Schippe nach. Vom ersten Ton war klar, wo die Reise hingeht… Nämlich auf einen gepflegten Metal-Abend. Die ersten Crows-Surfer waren dann auch schon unterwegs und der ein oder andere Getränkebecher wurde entusiastisch nach vorne geschleudert… that’s fucking Metal!
Obwohl die Band schon seit Monaten auf Tour war, merkte man den Strapazen nichts an. Sie legten eine fantastische Show hin und die Setlist beinhaltete nicht nur Songs vom aktuellen Album Borderland, sondern auch Klassiker aus ihrer langen Karriere. Nach dem letzten Song war die Stimmung auf dem absoluten Höhepunkt – nun war der krönende Abschluss zum Greifen nah.
Setlist (Quelle Setlist.fm):
- Bones
- Silver Bride
- Wrong Direction
- The Moon
- Dancing Shadow
- Death of a King
- Black Winter Day
- House of Sleep
- The Bee
Dann war es endlich soweit: Nach Ozzy Osbournes „Bark At The Moon“ als Intro, rissen Arch Enemy die Halle ab. Keiner hatte Zweifel: Beim letzten Gig der Europa-Tour wollten sie alles geben und sie ließen die Halle beben. Alissa lobte immer wieder die Fans und betonte, wie einzigartig diese Tour für sie war – war zu diesem Zeitpunkt etwa ihr Ausstieg schon bekannt? Jedenfalls merkte man der Band nichts an und die Spielfreude von Alissa und Co. riss das Publikum mit. Die Band lieferte einen Hit nach dem anderen und die alten Trommelfelle wurden ordentlich durchgerüttelt.
Übrigens war auch das Merchandising ein kleines Highlight. Neben den üblichen Tour-Shirts gab es auch eine pinke Edition, die vermutlich eher für den Metal-Nachwuchs gedacht war – aber als ich auch Erwachsenengrößen entdeckte, wurde ich eines Besseren belehrt. Auch die Trinkbecher mit dem gleichen Design waren in den Pausen ein großer Verkaufsschlager. Ein kurzes Wort zur Preisgestaltung: Klar, alles wird teurer, aber wenn andere Bands 50 Euro für ein T-Shirt verlangen, dann hört auch bei mir der Spass auf. Arch Enemy schien das zu wissen, denn hier kostete ein Shirt „nur“ 40 Euro – für mich gerade noch akzeptabel.
Zurück zur Show: Das Publikum ließ sich nicht lange bitten und stimmte immer wieder unter Alissas Leitung lautstark mit ein. Es ist immer wieder ein Gänsehaut-Moment, wenn tausende Fans mit singen. Auch wirkte Allisa an diesem Abend für mich besonders gesprächig, dass hatte ich bei früheren Shows in diesem Ausmaß noch nicht erlebt.
Nach 70 Minuten Spielzeit verschwand die Band von der Bühne und erste Rufe nach einer Zugabe wurden laut. Sollte es das schon gewesen sein? Zum Glück kamen Arch Enemy noch einmal zurück und gaben zwei weitere Songs zum Besten. Während riesige schwarze und rote Luftballons durch die Halle flogen, ging die Show nach insgesamt 1:20 Stunde zu Ende. Für meinen Geschmack hätte es ruhig noch etwas mehr sein können, wenn man das Intro mit einrechnet.
Setlist (Quelle Setlist.fm):
- Deceiver, Deceiver
- Ravenous
- Dream Stealer
- Blood Dynasty
- War Eternal
- My Apocalypse
- Illuminate the Path
- Liars & Thieves
- The Eagle Flies Alone
- First Day in Hell
- Saturnine
- Sunset Over the Empire
- No Gods, No Masters
- Avalanche
Encore: - Snow Bound
- Nemesis
- Fields of Desolation (instrumental outro only)
Abschließendes Fazit: Ein geiler Abend, geile Bands, traumhafte Setlist, Arch Enemy hätten gerne noch länger spielen dürfen und wer hätte gedacht, dass Arch Enemy nur wenige Tage nach dem Konzert die Trennung von Alissa bekannt geben.
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