
© Knorkator
Geschrieben von: Tim Karow
Band: Knorkator
Album: Weltherrschaft Für Alle!
Genre: Neue Deutsche Härte
Plattenfirma: Tubaqreckorz
Veröffentlichung: 12.09.2025
Die Berliner Ausnahme-Boygroup Knorkator begeht in diesem Jahr tatsächlich ihr dreißigjähriges Jubiläum. Gefeiert wird das nicht nur mit einer ausgedehnten Tour quer durch die Republik, sondern auch mit einem neuen Album. „Weltherrschaft für Alle!“ nennt sich das Werk, das als zwölftes Vollzeitkapitel nahezu nahtlos an die bisherige Diskografie anschließt.
Ein Jubiläum lädt immer dazu ein, einen Blick zurückzuwerfen, und genau damit möchte ich in meine Kritik einsteigen. Vergleicht man die neue Platte mit den älteren Klassikern, fällt schnell auf: Früher gingen Stumpen, Alf Ator und Buzz Dee ungleich anarchischer, lauter, wilder und härter zu Werke. Die schrittweise Entwicklung weg von Punk und Krawall hin zu gesetzteren Tönen ist, blickt man auf die vergangenen drei Jahrzehnte, aber alles andere als überraschend. „Weltherrschaft für Alle!“ markiert dabei sogar so etwas wie den bisherigen Höhepunkt der Ordnung.
Das zeigt sich in einer warmen, klaren Produktion, die allerdings auch sehr kantenfrei wirkt. Paradebeispiel: das Gitarrensolo in „Steh auf“. Klanglich überragend, aber viel zu zahm in den Song eingebettet. Hier hätte es ruhig lauter, ungestümer krachen dürfen. Generell wirken viele Stücke auffallend geradlinig komponiert. „Steh auf“ etwa bleibt trotz eingängiger Melodie eher blass, „Das Unheil“ warnt schwammig vor Schwammigem, und das textlich clevere „Halb voll“ dürfte live kaum Moshpit-Potenzial entfalten.
Ganz so altersmilde geht es dann aber doch nicht zu. Mit „Ismus“, samt typischer Knorkator -Wortspielattacken, und der exzellenten Drogenhymne „DMT“ ziehen die Berliner die Zügel ordentlich an. Am anarchischsten zeigt sich „Evolution“, das mit bitter-realistischem Blick in die Zukunft der Musikindustrie überrascht.
Damit wären die neuen Songs weitgehend abgehandelt. Ergänzt wird das Album durch Neueinspielungen älterer Stücke, die im neuen Soundgewand glänzen dürfen. Die Songs wurden nicht drastisch verändert, profitieren aber hörbar von den besseren Produktionsmöglichkeiten. Besonders „Liebeslied“ gewinnt in seiner aktuellen Wohlfühl-Fassung deutlich gegenüber dem Original. Ein Highlight stellt auch „Ich verachte Jugendliche“ dar, bei dem Stumpens Tochter Agnetha und Alfs Sohn Tim Tom als Gaststimmen begeistern. Großartig ebenfalls: die neue Version von „Ick wer zun Schwein“, dem legendären Grand-Prix-Vorentscheids-Beitrag von 2000, der bislang auf keinem Album zu finden war. Stumpen phrasiert hier markanter, das Keyboard wirkt präsenter, und das brüllende Finale überlässt man nach 25 Jahren konsequent Alf Ator.
Die Neueinspielung von „Hardcore“ hätte es für meinen Geschmack nicht zwingend gebraucht, auch wenn das Bassspiel herausragt. Gleiches gilt für „Buchstabe“, das im Original bereits perfekt funktionierte. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und schließlich sorgt auch die Tatsache, dass die Re-Releases der alten Alben neue Artworks erhielten, immer noch für Diskussionen.
„Welterrschaft für Alle!“ ist ein gelungenes Jubiläumsalbum einer Band, die sich nie auf ihren Lorbeeren ausgeruht hat und immer noch voller kreativer Ideen steckt. Die Mischung aus frischem Material und neu aufgelegten Klassikern funktioniert insgesamt gut, nimmt dem Ganzen aber etwas den Charakter eines rein neuen Werkes. Mir fehlt hier und da ein Quäntchen Dreck unter den Fingernägeln, doch das ist letztlich Geschmackssache. Spannend ist die Platte allemal, und live dürften die neuen wie alten Stücke ohnehin ihre volle Wirkung entfalten.
Ich vergebe den Köpenickern 8,5 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist:
01 Ismus
02 Unkraut
03 Das Unheil
04 Buchstabe 2025
05 Steh auf
06 Ich Verachte Jugendliche 2025
07 DMT
08 Halb Voll
09 Liebeslied 2025
10 Evolution
11 Hardcore 2025
12 AC/DC
13 Ick wer zun Schwein 2025
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