Kissin’ Dynamite – Not The End Of The Road

(c) Kissin’ Dynamite

Geschrieben von: Klaus Saalfeld
Band: Kissin’ Dynamite
Album: Not The End Of The Road
Genre: Hard Rock
Plattenfirma: Napalm Records
Veröffentlichung: 21.01.2022

Während Kollegin Michi zu den Klängen von KISSIN’ DYNAMITE ihren Körper in Form hält, habe ich mich mit den Jungs aus Tübingen bislang nur schwer anfreunden können. Da haben Auftritte – wie im vergangenen Jahr – im ZDF Fernsehfriedhof oder Hannes Brauns Kompositionen für Schlagergrinser Hansi Hinterseer sicherlich auch ihren Teil dazu beigetragen, meine Ressentiments gegenüber der Band zu nähren. Aber mit zunehmendem Alter kehrt nicht nur eine gewisse Milde ein, man wird auch offener für bislang verschmähte Mucke – zumindest in meinem Fall!

“Not The End Of The Road” heißt das siebte Studioalbum des Fünferpacks und klingt, als ob Desmond Child das Beste von Bon Jovi (also 80er Jahre) und weiterer eigener Kompositionen mit Bands neueren Datums wie Eclipse in einen Mixer gekippt, gut geschüttelt und das Gemisch in eine oftmals Stadionrock-kompatible Form gegossen. Allein für die Hitdichte der ersten Hälfte der Scheibe würde sich ein Herr Bon Jovi heutzutage die Finger nach lecken, wenn er noch einmal einen solchen Volltreffer landen könnte. Der flotte Titeltrack mit seiner Monster Hookline ist der perfekte Opener des Albums und schreit förmlich danach, ins Auto zu steigen, eine kleine Spritztour zu starten und den Song volle Pulle aufzudrehen. Mit “Only The Dead” hat man eine ähnlich gelagerte Hymne am Start, während “Coming Home” noch heute jedes Werk altgedienter Rockbands wie Mötley Crüe bereichern würde.

Das groovige “What Goes Up” mit seinen “Nananana” Gesängen mag zunächst vielleicht ein wenig cheesy wirken, aber letztlich kann man sich gegen die packenden Hooks gar nicht wehren. Bei “Good Life” treiben KISSIN’ DYNAMITE das Ganze noch ein wenig auf die Spitze. Unterstützt von Saltatio Mortis, Charlotte Wessels (ex-Delain) und Guernica Mancini (Thundermother) hat die Band hier eine Easy-Listening Nummer mit Gänsehaut Refrain hingelegt, die mich – vielleicht begünstigt durch die weiblichen Vocals – irgendwie an einen Pink Track erinnert, was dem Hörvergnügen aber keinen Abbruch tut, zumal sämtliche Einnahmen des Songs samt dazugehöriger Shirts dem Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V. zugutekommen.

Dass die Schwaben auch vor den gängigen Klischees des Hard Rock nicht Halt machen, beweisen sie mit Stimmungskrachern wie “All For A Halleluja” (…”don’t need a creed or guru guy who tells me what to see ’cause Rock’n’roll is still alive…” oder “Voodoo Spell” (“A stare of the snake I was a helpless victim, baby you struck me with no turning back…”), die einem unweigerlich ein breites Grinsen um die Kauleiste bescheren. “No One Dies A Virgin” klingt nicht nur musikalisch wie Steel Panther mit Knallfrosch in der Unterbuchse, sondern ist auch inhaltlich ähnlich feinste Prosa (“Nip and tuck another new margarita nose, heard you did the doctor to keep him on his toes…”). Bei der Ballade “Gone For Good” kommt mir abermals der bereits erwähnte Sänger aus New Jersey in den Sinn und “Defeat It” dürfte jede künftige Rock-Party bereichern. Lediglich beim balladesken, mit Streichern unterlegten Schlusstrack “Scars” werden hörbar ernstere Töne angeschlagen.

KISSIN’ DYNAMITE haben mit diesem Album alles richtiggemacht, langjährige Fans werden begeistert sein und neue Hörer – so wie ich – dürften ebenfalls hinzugewonnen werden.  Und wenn die Band die Songs irgendwann auch wieder live präsentieren darf, dürfte mit “Not The End Of The Road” karrieretechnisch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange bzw. das Ende der Straße erreicht sein!

Von mir gibt es 9 von 10 Hellfire-Punkten

Trackliste:

  1. Not The End Of The Road
  2. What Goes Up
  3. Only The Dead
  4. Good Life
  5. Yoko Ono
  6. Coming Home
  7. All For A Halleluja
  8. No One Dies A Virgin
  9. Gone For Good
  10. Defeat It
  11. Voodoo Spell
  12. Scars

Line Up:

Hannes Braun: Gesang
Jim Müller: Gitarre
Ande Braun: Gitarre
Steffen Haile: Bass
Sebastian Berg: Drums

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