
© Katatonia
Autor: Johannes „Jojo“ Knopp
Band: Katatonia
Album: Nightmares as Extensions of the Waking State
Genre: Dark- Progressive Metal
Plattenfirma: Napalm Records
Veröffentlichung: 06.06.25
Ich geb’s zu: Mit gemischten Erwartungen bin ich an das neue „Katatonia“ Album „Nightmares as Extensions of the Waking State“ herangegangen. Nach dem Ausstieg von Anders Nyström stand die Frage im Raum, ob dieser Sound ohne ihn noch so funktioniert. Was dann kam, war kein Paukenschlag – eher ein langsames, tiefes Einatmen. Und genau das macht dieses Album so besonders: Es lässt sich Zeit. Und je mehr ich es höre, desto mehr entfaltet es sich.
Der Opener „Thrice“ ist stark. Direkt. Hart im Einstieg, aber elegant im Rückzug. Der Song trägt diese typische Mischung aus Kühle und Emotion, die „Katatonia“ beherrschen wie kaum eine andere Band. Kein großes Spektakel, sondern ein stimmiger Auftakt, der das Klangbild des Albums gut vorbereitet.
Ein echter Höhepunkt ist „The Liquid Eye“. Beim ersten Hören wirkt er fast etwas verhalten, aber mit jeder Wiederholung wachsen Details hervor. Rhythmisch spannend, melancholisch im Ton – fast hypnotisch. Kein Song, der sich aufdrängt, aber einer, der bleibt.
„Wind of No Change“ bringt eine unheilvolle Stimmung mit, fast rituell in seiner Ausstrahlung. Der Refrain hat Ecken, die man nicht gleich einordnen kann – und das ist auch gut so. Der Track provoziert leicht, bleibt aber klanglich dicht und überzeugend. Vielleicht nicht für alle zugänglich, aber definitiv ein Statement.
„Lilac“ ist danach wie ein kurzer Lichtschein im Nebel. Der Song hat eine fragile Wärme, ohne seine dunkle Note zu verlieren. Es wirkt fast so, als würde er einem für drei Minuten die Hand reichen, bevor das Album wieder in sich zusammenfällt – aber eben auf die gute, typische „Katatonia“-Art.
Mit „Temporal“ folgt für mich der emotionalste Moment der Platte. Alles daran wirkt organisch: der Spannungsaufbau, die subtilen Melodien, das Solo – ruhig, aber intensiv. Kein Song, der mit großer Geste kommt, aber einer, der hängen bleibt, weil er so ehrlich klingt.
Danach wird’s etwas zurückhaltender. „Departure Trails“ ist atmosphärisch dicht, verliert aber ein wenig an Richtung. Kein Ausfall, aber auch keiner der Songs, bei dem man unweigerlich zurückspringt. Trotzdem: In einem Album wie diesem hat auch ein schwebender Moment seinen Platz.
„Warden bringt wieder mehr Struktur. Der Refrain bleibt sofort hängen, die Strophen legen den Fokus stärker auf Melodie. Der Song wirkt runder, greifbarer – vielleicht nicht spektakulär, aber gut gesetzt.
„The Light Which I Bleed“ fängt leise an und baut sich zu einem der klanglich komplexesten Stücke des Albums auf. Streicher, mehrstimmiger Gesang, eine gewisse Theatralik – aber nie übertrieben. Der Song funktioniert, weil er seine Melancholie nicht in Pathos ertränkt, sondern in Gefühl verpackt.
„Efter Solen“ überrascht. Komplett auf Schwedisch, elektronisch reduziert, fast ambient. Ein ruhiger, intimer Moment, der wirkt, als hätte Renkse ihn nicht für die Außenwelt, sondern für sich selbst geschrieben – was den Song gerade dadurch besonders macht.
Und mit „In the Event Of“ endet das Album leise. Kein klassischer Rausschmeißer, sondern eher ein stiller Abgang. Man wacht auf aus einem langen, dunklen Traum – etwas verwundert vielleicht, aber beeindruckt.
„Nightmares as Extensions of the Waking State“ ist kein Album für die Nebenbei-Playlist. Es braucht Raum, Stille – und ein bisschen Geduld. Die erste Hälfte wirkt kompakter, klarer, mit vielen starken Momenten. In der zweiten verliert sich die Struktur teils etwas, aber nie so sehr, dass man aussteigt.
Was am Ende bleibt, ist das Gefühl, ein durchdachtes, atmosphärisches Werk gehört zu haben, das sich nicht anbiedert. Es erzählt nicht laut, sondern flüstert – und wer sich Zeit nimmt und genau hinhört, wird belohnt und bekommt von mir 8,0 von 10 Hellfire Punkten.
Tracklist:
01 Thrice
02 The Liquid Eye
03 Wind Of No Change
04 Lilac
05 Temporal
06 Departure Trails
07 Warden
08 The Light Which I Bleed
09 Efter Solen
10 In The Event Of
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