
© Kamelot
Geschrieben von: Tim Karow
Band: Kamelot
Album: Dark Asylum
Genre: Melodic Power Metal
Plattenfirma: Napalm Records
Veröffentlichung: 28.08.2026
KAMELOT muss man eigentlich niemandem mehr vorstellen, aber es handelt sich hier nun einmal um eine Rezension, also machen wir es trotzdem. Die US-amerikanische Band bewegt sich seit inzwischen 31 Jahren an der Schnittstelle zwischen Power-, Progressive- und Symphonic Metal und hat sich dort längst einen ganz eigenen Platz geschaffen. Persönlich war KAMELOT für mich sogar eine der Bands, die meinen frühen, stark von Nightwish geprägten Blick auf Metal erweitert haben. Ich liebe ihren Ansatz bis heute: düster, opulent, melodisch und gleichzeitig immer mit diesem unverkennbaren KAMELOT-Charakter.
Allerdings hatte ich zuletzt zunehmend das Gefühl, dass sich die Band etwas zu sehr auf ihrem eigenen Sound ausruht. Die vergangenen Alben klangen teilweise sehr ähnlich. Deshalb war für mich bei „Dark Asylum“ , dem mittlerweile vierzehnten Studioalbum, weniger die Frage, ob die Platte gut wird, sondern vielmehr, ob KAMELOT endlich wieder frisch und aufregend klingen.
Die kurze Antwort: „Dark Asylum“ ist ohne jeden Zweifel ein KAMELOT-Album. Und genau darin liegt gleichzeitig seine größte Stärke und seine größte Schwäche.
Schon „Sanctorium“ folgt dem bekannten Muster eines dramatischen Intros, das die Platte möglichst groß ankündigen soll. Danach folgt mit „Ashen World“ treibender, symphonischer Power Metal, getragen von den melodischen Gitarren von Thomas Youngblood und einem starken Gesangsauftritt von Tommy Karevik. Gerade hier fühlt man sich durchaus an „Veil of Elysium“ erinnert. Noch stärker ist allerdings der fantastische Refrain des anschließenden Titeltracks.
Überhaupt funktionieren KAMELOT immer dann am besten, wenn sie ihre großen Melodien auspacken. Oliver Palotais Keyboards bauen zusätzliche Melodien auf, schaffen Atmosphäre und unterstützen die Refrains, ohne sich permanent in den Vordergrund zu drängen. Das Ergebnis ist dieser typische, dunkle und hochpolierte KAMELOT-Sound, den Fans der vergangenen Dekade bestens kennen.
Und genau deshalb entsteht irgendwann ein kleines Déjà-vu.
Bereits auf „The Shadow Theory“ war auffällig, dass Youngbloods Rhythmusgitarren teilweise stark in den Hintergrund gemischt wurden. Auch auf „Dark Asylum“ nimmt das den eigentlich hymnischen Songs etwas Druck. „One Last Masquerade“, bei dem Tobias Sammet als Gast zu hören ist, wirkt dadurch stellenweise eher wie ein zusätzlicher Avantasia-Song als wie ein echtes KAMELOT-Stück.
Auch mit harschen Vocals tut sich die Produktion weiterhin etwas schwer. „Sanctuary“ setzt zwar auf diese aggressivere Komponente, doch sie wirkt eher wie ein zusätzliches Element als wie ein organischer Bestandteil des Songs.
Dazu kommt die beinahe schon typische KAMELOT-Ernsthaftigkeit. Selbst ein rund 40-sekündiges Stück mit lateinischem Gesang findet seinen Platz auf dem Album. Für die Geschichte mag das durchaus eine Bedeutung haben, als eigenständiger Track fühlt es sich allerdings etwas deplatziert an.
Tommy Karevik bleibt dennoch eine hervorragende Besetzung für KAMELOT. Sein klarer, geschmeidiger Gesang passt hervorragend zur Musik und zur düsteren Atmosphäre. Bei den ganz hohen Tönen, beispielsweise im Refrain von „Godlike Alchemy“, wirkt er allerdings nicht immer vollkommen sicher.
Die Highlights sind dafür wirklich stark. „Cassandra’s Disease“, „Ashen World“, „One Last Masquerade“ und insbesondere der Titelsong zeigen KAMELOT von ihrer besten Seite: großartige Gitarrenmelodien, bombastische Arrangements und Refrains, die sich sofort im Kopf festsetzen.
Leider stehen diesen starken Momenten auch Songs gegenüber, die deutlich weniger Eindruck hinterlassen. „Beneath the Moon (Tunglið)“ wirkt mit seinem nordischen Balladencharakter fast wie ein Fremdkörper. „Enigma (Think of Me)“ ist eine klassische Power-Ballade, die weder als Ballade noch als Power-Metal-Song wirklich vollständig überzeugt. „Kaleidoscope“ und „The Puppet King“ sind keineswegs schlecht, bleiben aber nach dem Ende des Albums kaum im Gedächtnis.
Und genau das fasst „Dark Asylum“ eigentlich perfekt zusammen: Wenn KAMELOT treffen, treffen sie richtig. Nur gelingt ihnen das nicht mehr über die komplette Albumdistanz.
Die Leidenschaft für den eigenen Sound ist weiterhin deutlich spürbar. Doch gerade als langjähriger Hörer wünscht man sich irgendwann wieder einen Schritt nach vorne. „Dark Asylum“ ist hochwertig produziert, melodisch stark und besitzt einige wirklich herausragende Songs. Frisch oder überraschend fühlt es sich allerdings kaum an.
KAMELOT bleiben KAMELOT. Vielleicht ist genau das für viele Fans bereits genug. Für mich hätte es diesmal aber gerne etwas mehr Mut, etwas mehr Überraschung und etwas weniger Déjà-vu sein dürfen. 6,5 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist:
01 Sanctorium
02 Ashen World (Feat. Ignacia Fernández)
03 Dark Asylum
04 Sanctuary (Feat. Clémentine Delauney & Ignacia Fernández)
05 Nocte Veritas
06 One Last Masquerade (Feat. Tobias Sammet)
07 Ivy, My Dear
08 Godlike Alchemy
09 The Sleeping Mind (Orphic Paradigm)
10 Kaleidoscope
11 Enigma (Think of Me)
12 Cassandra‘s Disease
13 Beneath the Moon (Tunglið) (Feat. Rannveig Sif Sigurðardóttir & Sólveig Sara Leupold & Lea-Sophie Fischer)
14 The Puppet King
15 Sanctum Requiem
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