
© James Legendforge
Geschrieben von: Klaus S.
Band: James Legendforge
Album: The Witchfinder’s Flame
Genre: Power Metal
Plattenfirma: Independent
Veröffentlichung: 20.09.2026
Gerade noch eine Kritik zum Dreamseeker Konzeptalbum „A Trigger In Time…“ geschrieben, schon steht die nächste Scheiber dieser Art in den Startlöchern: JAMES LEGENDFORGE ist das Projekt des britischen Künstlers James Spreadbury. „Er verbindet eigenes Songwriting mit KI-gestützter Produktion zu einer einzigartigen Klangwelt, in der sich persönliche künstlerische Vision und moderne Technologie vereinen. Mit dem Fokus auf Storytelling und emotionalen Melodien hat sich das Projekt zum Ziel gesetzt, das Genre Power Metal neu zu definieren“. Ob KI-unterstützte Produktion wirklich den Power Metal neu definieren kann?
Wenn man dem beigefügten Waschzettel Glauben schenken darf, werden die Songs auf „The Witchfinder’s Flame“ von „mitreißenden Gesangsmelodien, kraftvollen Gitarrenriffs und einer cineastischen Atmosphäre“ angetrieben. Nun, betrachten wir die Dinge der Reihe nach. Ob man die Gesangsmelodien nun mitreißend findet oder nicht, bleibt natürlich dem jeweiligen Hörer überlassen. Es lässt sich zumindest nicht leugnen, dass hier eine Fülle an süßlichen Melodien dargeboten wird, die grundsätzlich jeden Melodic Hartwurst Fan ansprechen sollten. Allerdings driftet mir das Ganze zuweilen in zu seichte Gewässer ab, wie beispielsweise bei „The Cosmic Frontier“, und bei „Music“, „Midnight For Mother Gaia“ oder auch „The Space You Left“ fehlt eigentlich nur noch Andrea Kiewel, wie sie debil grinsend in ihrem Fernsehfriedhof im Takt mitklatscht.
Soweit es die „kraftvollen Gitarrenriffs“ anbelangt, so spielt die Sechssaitige weitestgehend eine eher untergeordnete Rolle und ist mit Ausnahme der Solo-Momente eigentlich kaum vernehmbar. Was mich zu der Frage bringt, wie man ernsthaft auf die Idee kommt, das Werk könnte das Genre Power Metal neu definieren? Natürlich gibt es in diesem Metier reichlich süßliche Harmonien, doch selten werden diese so schwachbrüstig vorgetragen wie bei dieser Pseudo Power Metal Scheibe, wozu die (programmierten?) Drums ihr Übriges beitragen.
Und dann wird da noch was von „cineastischer Atmosphäre“ behauptet. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo diese zu finden sein soll. Natürlich werden die Songs mal mehr, mal weniger mit Keyboard Sounds untermalt, aber ein cineastisches Gefühl hat sich bei mir beim besten Willen nicht eingestellt. Warum man am Ende des Albums drei zuvor gehörte Tracks nochmals hinten dranstellt, bleibt ebenfalls ein Rätsel, jedenfalls vermag ich bei den „doppelten“ Versionen keine vernehmbaren Unterschiede herauszuhören.
Ich möchte das Album aber nicht gänzlich in Grund und Boden kritisieren, zumindest „The Grip Of Insanity“, „Architect Of Fate“ und „Sorcerer’s Summit“ brechen ein wenig auf dem Standard-Schema aus und versprühen etwas mehr Dynamik. Und wie erwähnt, anheimelnde Melodien gibt es hier reichlich, so dass man James Spreadbury alias James Legendforge zumindest ein Gespür fürs Songwriting attestieren darf.
Wer sich von einem gewissen Grad an generischen Songs nicht abschrecken lässt oder Sabaton als zu hart empfindet, darf hier gerne zugreifen, mir persönlich ist das Album ne Spur zu weichgespült. Und ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass die Scheibe das Power Metal Genre nicht neu definieren wird – KI-unterstützte Produktion hin oder her…
Von mir gibt es 5 von 10 Hellfire Punkten.
Tracklist:
01 Sorcerer’s Summit 5:28
02 Architect Of Fate 5:04
03 Alter Ego – The Beast Within 4:58
04 Quiet Clarity 4:57
05 Music 5:12
06 The Cosmic Frontier 5:50
07 Midnight For Mother Gaia 5:37
08 The Space You Left 4:53
09 The Grip Of Insanity 5:45
10 The Witchfinder’s Flame 6:25
11 Alter Ego – The Beast Within 4:58
12 The Grip Of Insanity 5:45
13 The Witchfinder’s Flame 6:25
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