Interview HammerKing : Ritter der Kokosnuss war eine Inspiration !

Zwischen königlichem Wahnsinn, ehrlichem Power Metal und jeder Menge Humor trafen wir auf dem A Chance For Metal Festival auf HammerKing beziehungsweise direkt auf Frontmann Titan Fox V. Trotz kurzfristigem Einspringen für Steelpreacher wirkte die Band alles andere als gestresst. Stattdessen gab es spannende Einblicke in das HammerKing-Universum, die Entwicklung ihres Sounds und eine herrlich unterhaltsame Diskussion über Filme, Hofnarren und die Zukunft des Power Metal.

 

HF: Wir sind hier mit HammerKing, eher gesagt mit Titan Fox V! Vielen lieben Dank, dass es sich auf dem A Chance For Metal ergeben hat, ein Interview zu führen.
Titan Fox: Lieben Dank, gleichfalls! Es freut mich sehr, dass eine so junge Person sich so sehr für unsere Szene einsetzt!

HF: Dann beginne ich mal. Ihr seid beim A Chance For Metal als Ersatz für Steelpreacher angekündigt worden. Ist das für euch Stress pur oder eher die Art von Chaos womit ihr euch wohlfühlt?
Titan Fox: Ach du, tatsächlich weder noch. Eigentlich ist es so, dass wir uns gefreut haben hier zu spielen. Letzten Endes kann man von Festivals nie genug haben. Wir haben meine ich 2019 das letzte Mal beim ACFM gespielt. Das war eine tolle Veranstaltung. Da Andernach noch andere Festivals an derselben Stelle macht, hatten wir erst Angst, dass das A Chance For Metal aufhört. Dass wir jetzt bei der 20. Ausgabe spielen dürfen freut uns total!

HF: Das ist doch sehr schön. Habt ihr euch für den heutigen Abend etwas Spezielles überlegt, weil es das 20. Jubiläum ist oder spielt ihr eure normale Show?
Titan Fox: Wir spielen dieselbe Show wie letzte Woche, die haben wir auch vorbereitet. Eventuell haben wir eine Crowd-Challenge vor, da bin ich mir aber noch nicht ganz sicher. Am Ende wird es eine Überraschung.

HF: Da lassen wir uns mal überraschen. Ihr spielt heute kurz nach acht oder?
Titan Fox: 20:20 Uhr bis 21:20 Uhr.

HF: Das ist doch eigentlich die perfekte Uhrzeit.
Titan Fox: Tatsächlich die beste. Da bin ich sehr glücklich drüber.

HF: Euer Sound ist sehr eigenständig. Man erkennt euch sofort wieder und trotzdem bleibt ihr tief im Power Metal verwurzelt. Gab es Momente wo ihr bewusst aus eurem Stil ausbrechen wolltet?
Titan Fox: Latent, sage ich mal. Als wir angefangen haben war das eher so: „Niemals Keyboards! Niemals Orchestration! Nur Basic Instruments!“ Das hat sich nach und nach aufgeweicht. Im Moment haben wir Freude daran uns ein Stück weit zu öffnen. Du behältst 70 Prozent in der Stammrichtung und packst bei den anderen 30 Prozent frische Elemente dazu. Das kommt auch durchs Live spielen. Du siehst was beim Publikum funktioniert. Die Interaktion ist im Metal das Größte und Wichtigste!
Im Moment sind wir durch „Make Metal Royal Again“ und das „Danger Zone“-Cover ein kleines Stück in die Achtziger gegangen.

HF: Es ist einfach die beste Zeit für Musik gewesen.
Titan Fox: Total! Ich liebe das. Als wir das Demo aufgenommen haben, war das das erste Mal, dass ich zu einem Synthesizer-Sound gesungen habe. Ich dachte nur: „Woah, das klingt sehr zwingend.“ Kann also gut sein, dass davon noch mehr kommt.

HF: Ihr heißt nicht nur HammerKing sondern habt ein ganzes Universum um diese Figur aufgebaut. Ist das eher kreative Freiheit oder auch eine Grenze?
Titan Fox: Zum Teil ist das ein Selbstläufer. Der König kam irgendwann spontan über uns. Wir haben festgestellt, dass es uns kreativer macht. Wenn du komplett konzeptfrei schreibst landen 50 Prozent im Papierkorb. Songs mit „HammerKing“ oder „Hammer King“ funktionieren bei uns meistens besser. Diese hohe HammerKing-Dichte entsteht also ganz demokratisch.
Es hilft uns beim Schreiben. Mal geht es um Kriege, mal fährt der König zur See. Das sind keine klassischen Konzeptalben, eher neue Kapitel derselben Geschichte.

HF:  Ihr seid tief im Power Metal verankert und trotzdem wird Metal gerade wieder populärer. Auch viele junge Leute finden wieder rein.
Titan Fox: Finde ich schön!

HF: Ich bin da sehr dankbar für meine Erziehung. Ich wurde glücklicherweise in eine Metal-Familie hineingeboren. Danke Mama und Papa! Ihr habt natürlich nochmal eine andere Sichtweise: Entwickelt sich Metal weiter oder dreht sich alles irgendwann nur im Kreis?
Titan Fox: Gute Frage. (überlegt)
Ich glaube die Entwicklung von Musik ist wie ein Fluss. Der frisst sich immer weiter durch neue Richtungen. Klar verrennt sich Power Metal manchmal in seinen eigenen Klischees. Aber irgendwann wird das langweilig und daraus entsteht automatisch etwas Neues. Power Metal aus den Neunzigern klingt komplett anders als heute. Trotzdem bleibt der Kern erhalten.

HF: Blind Guardian aus der Anfangszeit kann man nicht mit modernem Powerwolf vergleichen.
Titan Fox: Genau ! Beide haben diese epische Fantasy-Atmosphäre, aber es klingt komplett unterschiedlich. Trotzdem sind sie verwandt. Ich bin gespannt wie das Ganze in zwanzig Jahren aussieht.

HF: Kommen wir zu ein paar lustigen Fragen. Wer in der Band wäre eher König und wer Hofnarr?
Titan Fox: (zeigt auf Marex) Da drüben sitzt ein Hofnarr. Vielleicht sogar ein zweiter. Bei uns spielen die tendenziell eher Gitarren. (alle lachen)
Da der Drummer, da muss ich natürlich König sagen.

Count Ivo Shandor of Shandoria : Ich kann auch wieder gehen. (alle lachen)

Titan Fox: Günt wäre eher so der Freiheitstyp. Lieber mit seinem Ross durch die Gegend reiten als sich mit Adel rumzuärgern. Ich hingegen wäre gerne König. Dann wäre alles so wie ich es gerne hätte und ich könnte entspannt abschalten.

HF: Wenn HammerKing ein Film wäre, eher „Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ oder „Die Ritter der Kokosnuss“?
Titan Fox: Ritter der Kokosnuss war eine Inspiration! Wir haben sogar auf „König und Kaiser“ einen Song der sich komplett um diese eine Szene mit dem singenden Prinzen dreht. Als Joker werfe ich noch „Der dunkle Kristall“ rein.

HF: Wer hat den schlimmsten Musikgeschmack in der Band?
Titan Fox: Entweder Günt, weil er nicht hier sitzt, oder ich, weil ich mich nicht traue was anderes zu sagen. (alle lachen)
Marex hört alles was eine tiefe Les Paul hat und sleazig rockt. Günt und Count gehen eher Richtung Thrash Metal. Gino und ich hören wirklich alles. Von Folk über Pop bis politische Cabaret-Musik. Wirklich schlechten Geschmack hat hier aber keiner.

HF: Was ist das absurdeste Metal-Klischee ,das ihr trotzdem feiert?
Titan Fox: Unser erstes Label meinte mal: „The people in Power Metal know that it’s cheesy. They just don’t like being told.“
Und genau das stimmt irgendwie. Jeder weiß, dass manches komplett übertrieben ist. Ich finde es aber okay, wenn man diese Klischees richtig groß macht. Solange die Musik darunter nicht leidet.

HF: Wenn ihr heute nicht spielen würdet, sondern einfach als Gäste hier wärt, mit welcher Band würdet ihr backstage am ehesten ein Bier trinken?
Titan Fox: Schwierig nachdem so viele Bands kurzfristig gewechselt haben. Wahrscheinlich mit Night Eternal. Mit denen haben wir schon Podcasts gemacht. Günt und Count würden vermutlich bei Milking The Goatmachine landen.

HF: Letzte Frage: Falls der HammerKing jemals abdanken würde, wer wäre ein würdiger Nachfolger aus der Metal-Szene?
Titan Fox: Die Frage stellt sich nicht. Der HammerKing wird niemals abdanken! (lacht)
Interessanter ist eher: Wer dankt ab und der HammerKing übernimmt dann? Heavy Metal ist mittlerweile alt geworden. Viele große Bands sind noch da, aber irgendwann verschwinden auch Maiden, Priest oder Saxon. Wir brauchen neue große Bands damit Festivals weiterleben können.
Wir selbst werden jedenfalls so schnell nicht aufhören!

HF: Danke dir Titan Fox für die Zeit beim A Chance For Metal! Make Metal Royal Again!
Titan Fox: God bless the King, and let the King bless you ! 

 

Interview: Tim Karow

Pics: Jörg Schnebele/JSPics

 

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