
© Inhuman
Geschrieben von: Tim Karow
Band: Inhuman
Album: Gloriæ
Genre: Gothic Metal
Plattenfirma: Alma Mater Records
Veröffentlichung: 07.11.2025
Manchmal landet ein Album auf dem Tisch, bei dem man schon nach den ersten Takten denkt: „Ja, dat is’ wat für mich.“ Genauso ging’s mir mit „Gloriæ“, dem mittlerweile vierten Album der portugiesischen Gothic-Metaller Inhuman. Die Truppe geistert seit Mitte der 90er durch die Szene, aber selten wirkte ihr Sound so definiert, so selbstbewusst und so sauber aufeinander abgestimmt wie auf diesem Werk.
Was Inhuman hier fabrizieren, ist eine Mischung aus modernem Understatement und dieser typisch gothischen Wärme, die Bands wie Paradise Lost, The Sisters Of Mercy oder auch alte Tiamat so unverwechselbar macht. Gleichzeitig klingt „Gloriæ“ keineswegs nach verstaubtem Täubchen-Friedhof. Die Scheibe ist druckvoll produziert, klar konturiert und mit einer Liebe zur modernen Soundästhetik versehen, die gerade Drum Fetischisten und schärfere Ohren für Details abholen dürfte.
Besonders stark ist auf Gloriæ die stimmliche Ebene. Pedro Garcias Vocals werden stellenweise gedoppelt, geschichtet, mit Chorflächen warm ummantelt. Genau dieses feine Händchen macht Tracks wie „Absent Glory“ oder „Seed Of Ancient Hate“ zu echten Wiederholungs-Tätern. „Illuminate the Pain“ greift denselben Geist auf, allerdings mit mehr Schwermut und einem deutlich schwereren Fundament. Und zum Abschluss serviert die Band mit „Visionary“ State eine hymnisch-poppige Nummer, die der Stimme nochmals alle Freiheiten lässt. Würde man sich darin einkuscheln können, ich würd’s tun. Natürlich hat das Album auch seine härteren Kanten. „Conspiratio“ und „To Reign In Captivity“ setzen stärker auf die raue, kraftvolle Seite von Garcia, teilweise sogar mit Growl-Ausflügen. Gitarrist Joao Pedro zieht die Linien breiter, massiver, während José Vairinhos an den Drums immer wieder Akzente setzt, die man in der Form nicht auf jeder Gothic-Platte findet. „Semblance Of Reality“ zeigt das am deutlichsten. Hier befindet sich ein Track voller unterschwelliger Tanz-Grooves, ohne peinlich zu wirken, was in diesem Genre alles andere als selbstverständlich ist.
Die tiefsten Kammern des Albums öffnen sich mit „Overgone“ und „The Dreariest One“. Beide Stücke sind Paradebeispiele dafür, wie Gothic Metal zugleich hart, melancholisch und warm klingen kann. Hier alles bodenständig düster, und nicht kitschig. Als Bonus gibt’s mit „Do Fim Dos Dias“ einen portugiesischen Song, der etwas verträumter daherkommt, aber durch das starke Solo im hinteren Teil noch eine zusätzliche Note erhält.
Warum also „nur“ 9,5 und nicht 10 Punkte? Ganz einfach. Im Songwriting ist noch Luft nach oben, besonders was diese elegant-eingängigen, wirklich unvergesslichen Hook-Momente angeht, die gerade im Gothic Metal mit poppigen Elementen das Salz in der Suppe sind. Die Ansätze sind da, die Umsetzung ist gut, aber da geht noch mehr.
Nichtsdestotrotz ist „Gloriæ“ ein überraschend rundes, atmosphärisch wunderbar dichtes Album, das seine eigene Nische mit Stil und Selbstverständlichkeit behauptet. Wie oben erwähnt, verteile ich 9,5 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist:
01 Absent Glory
02 Conspiratio
03 Seed Of Ancient Hate
04 To Reign In Captivity
05 Illuminate The Pain
06 Semblance Of Reality
07 Overgone
08 The Dreariest One
09 Do Dim Dos Dias
10 Visionary State
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