Hellfire-Crossfire: Paradise Lost – Ascension

© Paradise Lost

Band: Paradise Lost
Album: Ascension
Genre: Gothic/Doom Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 19.09.2025

Das Gothic/Doom-Metal-Quintett PARADISE LOST aus Halifax, West Yorkshire, bedarf gewiss keiner großen Einführung. Seit mehr als fünfunddreißig Jahren sind die Briten Vorreiter in Sachen Dunkelheit, traurigen Klageliedern und düsteren Riffs und haben in ihrer langen Karriere von Death Metal über doomigen Gothic bis hin zu Electro Rock die Grenzen ihre musikalischen Schaffens reichlich ausgelotet. Nun haben PARADISE LOST ihren siebzehnten Longplayer „Ascension“ („Icon 30“ nicht mitgerechnet) vorgelegt. Wie die Redaktion darüber urteilt, lest ihr im nachfolgenden Crossfire:


Mathias Keiber:

Mit ASCENSION legen PARADISE LOST ein souveränes Spätwerk vor, das vieles von dem bündelt, was die Band über die Jahrzehnte ausgemacht hat. Der Auftakt verläuft stark und atmosphärisch dicht, jedoch gerät das Album im Mittelteil mit verkrampft wirkenden Songs wie „Lay a Wreath Upon The World“ oder „Savage Days“ ins Stocken. 

Kaum ist der Faden verloren, bringen die erfreulich flotten, geradlinigen Stücke „Sirens“ und „Deceivers“ das Album aber wieder auf Kurs — und rufen bei mir willkommene Erinnerungen an den Klassiker „Widow“ hervor. Gut gelungen ist auch das finale Duo: „This Stark Town“ und „A Life Unknown“ schließen das Album stimmig und kraftvoll ab. 

Was auf Albumlänge jedoch irritiert, sind die ständigen Gesangsstilwechsel von Nick Holmes – mal grunzt er, mal singt er mit rauer, mal mit seidenweicher Stimme. Irgendwie weiß man nie so recht, woran man ist. Da wünscht man sich die Tage zurück, in denen er eine Gesangsart durchzog.

Kurzum: Wäre das Album konsequenter in eine Richtung gegangen und hätte man es etwas gestrafft, hätte ich auch ein oder zwei Hellfire-Punkte mehr als 6,5 von 10 vergeben. 

 

Stefan Lorenzen:

Vor gut 10 Jahren fing PARADISE LOST an sich wieder mehr auf ihre Frühwerke zu besinnen und bestückte Songs wieder vermehrt mit Growls. Ich persönlich kenne PARADISE LOST hauptsächlich von ihren großen Werken „Icon“ und „Draconian Times“. Ab dieser Zeit bin ich bis zum Erscheinen des anfänglichen erwähnten Albums „The Plague within“ immer wieder bei der Band geblieben. Doch ab diesem Zeitpunkt konnte ich mit den meist gegrowlten Parts nicht viel anfangen und verlor die Band ein wenig aus meinem Blickwinkel.

Als dann die erste Vorabsingle „Silence like the Grave“ des neuen Albums ASCENSION auf den eingängigen Plattformen hörbar war, fand ich die Mischung sehr gelungen und einen kleinen Schritt mit einer gewissen Finesse zurück zu den von mir als Favoriten genannten Alben und mein Interesse war geweckt. Selbstredend bekommt man immer noch die düsteren und melancholischen PARADISE LOST wie man sie kennt.

Hört man sich dann ASCENSION an bestätigt sich dieser Eindruck. Schon beim ersten Song „Serpent On The Cross“ gibt es die gewohnt melancholischen Töne. Das Ganze garniert mit den gegrowlten Vocals von Nick Holmes ist ein mächtiges Brett. Hier gibt es sogar etwas mehr Geschwindigkeit zu den sonst eher schwerfälligen Riffs für die PARADISE LOST bekannt sind.

Das folgende „Tyrants Serenade“ hätte auch problemlos auf einem der früheren 2000er-Werke Platz finden können. Die ganz eigene Mischung hat PARADISE LOST schon immer ausgemacht und der 7-minütige Epos „Salvation“ zeigt genau das. In der ersten Hälfte mit ordentlich Schwermut und Growling gepaart, fängt man im mittleren Teil dann an Clean zu singen, bevor man wieder schwermütig wie am Anfang wird.

Für mich schon fast „Metal“ artige Töne schlägt man bei „Silence Like The Grave“ an und liefert im Anschluss mit „Lay A Wreath Upon The World“ eine Art Halbballade gleich noch hinterher, die mit „Savage Days“ sogar noch eine Zugabe erhält. „Sirens“ knüpft dann an die „Draconian Times“ Zeit an.

„Deceivers“ kommt mit, für PARADISE LOST Verhältnisse, ordentlich Geschwindigkeit daher. „The Precipice“ ist wieder so wie man es erwartet und man die Band kennt. Dieser Song ist gleichzeitig der Schlussakkord des „regulären“ Albums. Es folgen noch zwei Bonustracks. „This Stark Town“ und „A Life Unknown“. Ersterer ist wieder sehr roh und bedrohlich. Mit dem ultimativen „A life unknown“ geht man abermals auf die „Icon“ Ära zurück und der Song erinnert stark an „Colossal Rains“ von der Aufmachung her.

Am Ende war ich positiv überrascht. Klar erfindet sich PARADISE LOST nicht neu, aber man bekommt die ganze Bandbreite der Band herrlich vorgetragen auf diesem Album. Selbst die gegrowlten Parts empfinde ich hier nicht so störend, wie ich es  zu „The Plague Within“ Zeiten empfand.

Von mir gibt es 9 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Marco Gräff:

Diese Spätform der Briten, die mit „The Plague Within“ 2015 begann, ist einfach großartig! Seit ihrer Rückkehr zu den Wurzeln mit harschen Vocals, düsterem Death Doom und tiefen Growls, lieferten PARADISE LOST drei großartige Alben, deren Entwicklung nun im neuesten Output ASCENSION seinen Höhepunkt zu erreichen scheint.

Klar, neu ist hier nix. Auch ist das mittlerweile 17. Album unverkennbar ganz klar PARADISE LOST. Experimente wie seinerzeit 1997 („One second“) oder gar 1999 mit „Host“ sind mittlerweile Geschichte. Doch so klingen nur PARADISE LOST. Und das ist der Grund, wieso ich diese Band so unfassbar mag. Deren Musik spricht mir aus dem Herzen, geht nach wie vor ganz tief. Riffs und Melodien, wie sie offensichtlich nur ein Greg Mackintosh kreieren kann. Dazu der scheinbar immer besser werdende Gesang eines Nick Holmes, der spielerisch zwischen Abgrund tiefen Growls und zerbrechlich, emotionalen Klargesängen hin- und herspringt, als wäre es das leichteste der Welt.

Ähnlich wie beim genialen Vorgänger „Obsidian“, spielen PARADISE LOST erneut mit der ganzen Bandbreite ihres mittlerweile 37-jährigen Schaffens. Death Doom, Gothic und Dark Metal. Hier findet man sich oft in Alben wie „Gothic“ oder „Icon“ und „Draconian Times“ wieder, und auch ganz viel „Shades of God“. Allein schon der erste Track der Platte, „The Serpent On The Cross“, läuft bei mir runter wie eiskaltes Öl. Das prägnante Riff erzeugt Gänsehaut, so oft ich es höre. Ein ganz großartiger Song, der die Erwartung auf ein starkes Album nicht zu Unrecht hochdrückte. Doch mit dem Opener ist es lange nicht getan.

Einen wirklich schwachen Song gibt es erneut nicht zu verzeichnen. Stücke wie „Salvation“, „Silence Like A Grave“ und „Diluvium“ stechen hervor, „Tyrants Serenade“, „Sirens“ und der Schlussakkord mit „The Precipice“ stehen denen in kaum etwas nach. Dazwischen lockern ruhige Stücke wie das teilsakustische, mit weiblichen Vocals untermalte „Lay A Wreath Upon The World“ die ganze Schwermut etwas auf. Allein in ihrer Art und Weise sind die unterschiedlichen Songs besonders.

Und es spricht für die Klasse der Band, wenn man einen Song wie „A Life Unknown“ dann nur als „Bonus“ noch hinten drauf packen kann. Wenn ich etwas zu bemängeln hätte, dann die Tatsache, dass sich viel Riffs und Melodien dann doch zu oft vertraut anhören. Zusammenfassend kann ich aber feststellen, PARADISE LOST gehören weiterhin zur Genrespitze! ASCENSION ist wieder mal ein großer Wurf.

Von mir gibt es 9 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Klaus S.:

Seit PARADISE LOST sich mit ihrer 2015er Scheibe „The Plague Within“ wieder ihrer Death/Doom Wurzeln besonnen haben, hat die Band wieder vermehrt mein seinerzeit etwas abgeflautes Interesse geweckt. Und dies ist nicht zuletzt dem Duo Mackintosh/Aedy zu verdanken, denn kaum eine andere Saiten-Doppel vermag solch intensive Schwermut-Riffs aus dem Ärmel zu schütteln wie die beiden Gitarristen. Allein das zugrundeliegende Thema des Openers „Serpent On The Cross“ ist für sich genommen bereits das Geld für den Erwerb dieser Scheibe wert, auch wenn dies beileibe nicht der einzige Genie-Streich auf dem Album ist.

Generell ist ASCENSION so etwas wie ein grober Abriss der bisherigen Band-Discographie – von der eingangs erwähnten Electro Phase einmal abgesehen. Während Songs wie das überwiegend als schwere Doom-Walze daherkommende „Salvation“ oder das zähflüssige „The Precipice“ sich eher an den letzten PARADISE LOST Werken orientieren, erinnern Stücke wie das größtenteils mit cleanen Vocals versehene „Tyrants Serenade“ und das vergleichsweise entspannte „Savage Days“ eher an die Zeiten vor „The Plague Within“, und etwas schwungvollere Stücke wie „Silence Like The Grave“ und „Sirens“ könnten glatt als Überbleibsel der „Draconian Times“ Sessions durchgehen.

Dass ASCENSION für mich kein Kandidat für die Jahres-Bestenliste ist, liegt vor allem an zwei Momenten in der Album-Mitte, in denen PARADISE LOST schwächeln. Das mit Akustik-Gitarren eingeleitete und mit weiblichen Hintergrundgesängen versehene „Lay A Wreath Upon The World“ plätschert leider nur Schwermut-säuselnd vor sich, und „Diluvium“ kann trotz zwischenzeitlicher Tempoverschärfung nicht wirklich zünden. Dafür entschädigen die beiden Bonus Tracks „The Stark Town“ und „A Life Unknown“ umso mehr, bei denen man sich fragen muss, warum diese nicht auf dem regulären Album gelandet sind.

ASCENSION bietet zwar nicht viel wirklich Neues, liefert aber gewohnt gehobene Kost und macht damit so manche Schwächephase um und nach der Millenniums-Wende wett.

Von mir gibt es 8 von 10 Hellfire Punkten.

Damit ergeben sich als durchschnittliche Bewertung 8,13 von 10 Hellfire Punkten.

 

Tracklist:

  1. Serpent On The Cross
  2. Tyrants Serenade
  3. Salvation
  4. Silence Like The Grave
  5. Lay A Wreath Upon The World
  6. Diluvium
  7. Savage Days
  8. Sirens
  9. Deceivers
  10. The Precipice
  11. This Stark Town (Bonus Track)
  12. A Life Unknown (Bonus Track)

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