Hellfire-Crossfire: Helloween – Giants & Monsters

© Helloween

Band: Helloween
Album: Giants & Monsters
Genre: Power Metal
Plattenfirma: Reigning Phoenix Music
Veröffentlichung: 29.08.2025

Nach anderthalb Jahren Funkstille ist es mal wieder soweit, die Redakteur: innen haben eine Scheibe für wichtig genug befunden, ausgiebig von mehreren Seiten auf Herz und Nieren geprüft zu werden. Kein Wunder, schließlich sind HELLOWEEN seit nunmehr vierzig Jahren eine Institution in der Metal Szene, von daher stieß das Eintreffen des neuen Albums „Giants & Monsters“ auf großes Interesse.  Wie die Hellfire Redaktion die Scheibe bewertet und ob sie das Zeug zum Klassiker hat, lest ihr in den nachfolgenden Ausführungen:

Klaus S.:

Als ich vor ein paar Tagen die neueste Print-Ausgabe eines Metal-Magazins in den Händen hielt, wäre mir selbige vor Schreck beinahe umgehend aus den Händen gefallen, denn dort wird HELLOWEEN als „Power Metal Sensation des Jahres“ angepriesen, und auf der Rückseite wird GIANTS & MONSTERS von einem spanischen Vertreter als mögliches Album des Jahres beworben. Meine Reaktion wird mit Blick auf die erste Vorab-Single „This Is Tokyo“ umso verständlicher, denn seien wir ehrlich, dieser leicht poppige Midtempo Rocker stellt im HELLOWEEN Kosmos bestenfalls gehobene Mittelklasse dar.

Ganz so mäßig wie der erste Eindruck ist GIANTS & MONSTERS dann glücklicherweise doch nicht. Vor allem die Longtracks der Scheibe machen Spaß: Der sehr variabel agierend Opener  „Giants On The Run“ mit seinem Gamma Ray artigen Mittelteil, das beinahe wie Skyfall 2.0 wirkende „Universe (Gravity For Hearts)“ sowie das im Verlauf immer stärker werdende „Majestic“ sind echte Highlights und gehören zweifelsfrei zu den stärksten Tracks seit der vielumjubelten Reunion.

Die Happy Metal Nummer „Savior Of The World“ ist gut, aber nicht überragend, gleiches gilt für „We Can Be Gods“, wo der mit cheesigen Backing Gesängen ausgestattete Chorus nicht ganz das Niveau der Strophen halten kann. „A Little Is A Little Too Much“ wächst zwar nach einigen Durchläufen doch noch zu einem ordentlichen Song heran, muss sich allerdings dasselbe Etikett anheften lassen wie „This Is Tokyo“. Und wo wir gerade von diesem Stück sprechen, im Anschluss an die enttäuschende Schmalz-Ballade „Into The Sun“ wirkt die Tokio-Hommage tatsächlich besser als zuvor als erster Vorbote des neuen Albums.

Dann wären da noch „Hand Of God“, ein relativ moderner Midtempo Track, der genauso gut aus der Zeit Anfang der 2000er Jahre stammen könnte, und „Under The Moonlight“, das sich genauso gut auf der „Pink Bubbles…“ Scheibe gemacht hätte und an einigen Stellen den Anschein erweckt, als hätte man Teile von „Livin‘ Ain’t No Crime“ recycelt und aufpoliert. Glücklicherweise scheint der finale Track „Out Of Control“ aus der Feder von Kai Hansen zu stammen, denn allein diese Tatsache spricht für den Song, auch wenn diese Nummer auf mich eher wie ein Gamma Ray Stück wirkt.

Unterm Strich würde ich GIANTS & MONSTERS auf eine Stufe mit der vor vier Jahren erschienen Reunion Scheibe, im Positiven wie im Negativen. Vom der eingangs propagierten Metal Sensation des Jahres sind HELLOWEEN bei allem Respekt jedoch meilenweit entfernt. Daher gibt es von mir 7,5 von 10 Hellfire Punkten.


Marco Gräff:

Ganze vier Jahre haben HELLOWEEN gebraucht, um nach dem durchaus erfolgreichen 2021er „Comeback-Album Helloween“ einen Nachfolger zu präsentieren. Okay, man war viel unterwegs und eine vergangene Pandemie hat auch seinen Teil dazu beigetragen. Nun steht also GIANTS & MONSTERS in den Regalen, und Oh Wunder, wo HELLOWEEN drauf steht ist auch HELLOWEEN drin. Wer hätte es gedacht. Und es ist auch kein großes Geheimnis, einige hier beim Hellfire werden das Album wieder tierisch abfeiern.

Leben und leben lassen. Nach wie vor zehrt die Band von den beiden „Keeper“ Scheiben aus den 80ern. „Helloween“ vor vier Jahren war im Nachhinein dann doch recht diplomatisch gestaltet. Jede Ära wurde berücksichtigt, die drei Sänger hatten entsprechend Platz eingeräumt bekommen. Ein gesunder Mix durch über 35 Jahre HELLOWEEN. Nun, mit einem Jahr Verspätung, letztes Jahr hieß es 40 Jahre „Kürbisse“, nun ein Album, welches ein würdiges, aber auch enttäuschendes 17. Album der Hamburger ist.

Würdig, weil es erneut alle Trademarks und Epochen der Band abbildet und berücksichtigt. Enttäuschend wieder, weil es dem Kollektiv erneut nicht gelingt, mehr aus dem Potential der Band zu machen. Wieder sind es die klassischen Hansen Tracks, die episch mit Langzeitwirkung hängen bleiben. Die Weikath Songs, die so typisch für die „Keeper“ Scheiben und „nach Hansen Ära“ stehen. Und natürlich die Songs von Deris und Gerstner, die HELLOWEEN die letzten fast 25 Jahre prägten.  

Wieso schaffen es HELLOWEEN nicht, ihre Stärken zu bündeln, und was neues, aber dennoch Band typisches zu schaffen. Songs, die die Stärken aller Epochen abbilden. Ich brauche keine x-tes „Eagle fly free“ (siehe „Savior of the world“), genauso wenig wie Deris Schmachtfetzen wie „Into the sun“ und „A little is a little too much“ (allein der Titel…). Von einer Band wie HELLOWEEN, die begnadete Musiker und Songwriter hat, muss eigentlich mehr kommen als die „Nummer sicher“!

Ohrwürmer gibt es dennoch, aber keiner der Marke „Best time“. „This is Tokyo“ hätte es werden können, doch hätte es da mehr Dynamik gebraucht, als nur im Refrain. Am Ende sind es dann doch wieder die Long Tracks, die größtenteils aus der Feder von Kai Hansen stammen. Der Opener „Giants on the run“ macht schon echt Spaß, auch „Universe (Gravity for hearts)“ mit Michael Kiske an den Lead Vocals wächst von Mal zu Mal. Und „Majestic“ macht seinem Namen beinahe alle Ehre.

„Hand of God“ dagegen ist die einzige Nummer, die nicht überzeugen mag, langweilig trotz einigen ‚Judas Priest‘ Vibes („Blood red skies“ lässt grüßen). „Under the Moonlight“ ist dann wieder dieser typische HELLOWEEN „Happy Metal“, der eigentlich nur nervt. Als Bonus gibt es noch die Nummer „Out of control“ (kein Edguy Cover), eine rockige Hansen Nummer, die mit Drive und Zug das Ende doch noch versöhnlich stimmt. Alles in allem aber weit weg von den Band Highlights der 80er und 90er Jahren und auch einen Schritt hinter dem Vorgänger. Es braucht mehr als ein Drittel der Songs, der Fans aller Bandphasen anspricht. Vielleicht ja doch beim nächsten Mal? Ich mag nicht darauf wetten.

Ich vergebe 7 von 10 Hellfire-Punkten.


Mathias Keiber:

Nach dem tollen ersten Streich mit drei Sängern und drei Gitarristen folgt nun der zweite. Meine Meinung dazu ist gespalten.

The Good: Das Songwriting ist an und für sich toll, teils im positiven Sinne abenteuerlich, was sich bereits im ungewöhnlichen, aber spannenden Opener „Giants on the Run“ zeigt. Auch das Gefühl für super-eingängige Refrains wohnt der Band nach wie vor inne: „A Little Is a Little Too Much“ ist im Endeffekt zwar Popmusik, aber — who cares? — die Nummer ist ein Hit. Richtig aufregend ist das achtminütige „Universe“, das mit so vielen zündenden Ideen aufwartet, dass man damit eine ganze Album-Hälfte hätte füllen können. Gleiches gilt für den anderen Longtrack, „Majestic“.

The Bad: Was mich selbst bei meinem Lieblingsalbum von HELLOWEEN, „The Time of the Oath“, davon abgehalten hat, wirklich Fan zu werden, ist der Hang der Band zum Kitsch. Für echte Fans ist das natürlich Teil ihrer musikalischen Identität, für mich sind Balladen wie „Into the Sun“ schlicht unerträglich. Ein anderes wiederkehrendes „Problem“: In Einzelfällen ist mir das Songwriting einfach zu berechnend: „This is Tokyo“ zielt einfach nur darauf ab, im Budokan mitgegrölt zu werden (mal gespannt, ob es einen Live-Mitschnitt von dort geben wird).

The Ugly: Der Sound ist ganz großer Mist! Drei Gitarren sollen da spielen? Abgesehen von Soli und Triple-Leads sind sie kaum zu hören. Die Bassgitarre ist praktisch nicht existent. Alles versinkt unter den viel zu prominenten und gleichzeitig viel zu schwammigen Drums. Mit Verlaub: Klanglich ist GIANTS & MONSTERS ein an den Mainstream angebiedertes Desaster.

Fazit: Was bringen mir teils großartige Songs, wenn sie so völlig blutleer produziert sind? Von ein oder zwei Skip-Songs abgesehen, hätte GIANTS & MONSTERS noch Wochen in meiner Rotation verbringen können. Aber derart furchtbar produzierte Musik höre ich mir einfach nicht an. 5 von 10 Hellfire-Punkten.


Jörg Schnebele:

Ich kann mich noch erinnern, als mir Weiki Anfang 1993 begeistert vom neuen Album „Chameleon“ erzählt hat, und dass man alle möglichen Stile auf einem Album vereint habe. Damals war ich extrem enttäuscht von dem Ergebnis. Für mich stimmte da kaum etwas.

Nun habe ich in einem Interview mit Gitarrist Sascha Gerstner ähnliche Aussagen gelesen und war extrem skeptisch, was GIANTS & MONSTERS beinhaltet. Wieder ein Schuss in den Ofen?Mitnichten! Dieses Mal hat die Experimentiererei funktioniert, und das, ohne einem einzigen Song der Trademarks der Kürbisköpfe zu berauben. Die Tatsache, dass fünf Songwriter am Werk waren und drei Sänger die Melodien veredeln, gibt HELLOWEEN nahezu unbegrenzte songschreiberische Möglichkeiten an die Hand.

Mit „Giants On The Run”geht’s mir als Album Einstig schon fast zu ruhig los, der Refrain bringt einen aber schnell auf HELLOWEEN Wohlfühl-Temperatur. „We Can Be Gods“ ist mein persönlicher Liebling, weil hier das Zusammenspiel der Sänger optimal eingesetzt wurde und der geniale Refrain das Stück zur Hymne katapultiert. Dass HELLOWEEN Balladen können, haben sie immer wieder bewiesen: „Into The Sun“, mit Streichern unterlegt, reiht sich da nahtlos ein. Von „Majestic“, einem Kai Hansen Stück, hatte ich etwas mehr erwartet, ohne genau sagen zu können, wo mir etwas fehlt. Der Song zündet bei mir nicht beim ersten Hören, gewinnt aber von Mal zu Mal.

Mit GIANTS & MONSTERS haben HELLOWEEN Gott sei Dank wieder ein Killeralbum abgeliefert und keinen Rohrkrepierer im Stil von „Chameleon“. Alleine die glückliche Situation zu haben, über drei Ausnahmesänger verfügen zu können, verleiht dem Album wieder etwas Besonderes. Von mir gibt es 9 von 10 Hellfire Punkten.


Tim Karow:

Mit dem selbstbetitelten Album von 2021 setzten HELLOWEEN ein Ausrufezeichen. Die große Reunion, drei Frontmänner vereint, die Fans begeistert. Ein Werk, das wie ein Koloss im Raum stand. Wie also weitermachen? Auf GIANTS & MONSTERS geben die Hamburger die einzig richtige Antwort: nicht mit Experimenten, sondern mit einem Album, das die Essenz von Power- und Melodic Metal noch einmal auf den Punkt bringt. Man hört sofort, dass hier geballte Jahrzehnte an Erfahrung zusammenfließen.

Das auf Tempo getrimmte „Savior Of The World“ und das hymnische „Universe (Gravity For Hearts)“ könnten problemlos als verschollene Klassiker der Kiske-Ära durchgehen. „Under The Moonlight“ spielt mit demselben augenzwinkernden Humor, der einst „Dr. Stein“ ausmachte. Auf der anderen Seite glänzen „A Little Is A Little Too Much“ und „This Is Tokyo“ mit schillerndem Hard-Rock-Charakter, ganz in der Tradition der Andi Deris-Jahre. Und dann sind da noch die Hansen-Momente: „We Can Be Gods“, das stellenweise so hart zupackt wie Judas Priest, und das episch-mystische „Majestic“, das Erinnerungen an Gamma Ray weckt.

Das Zusammenspiel der drei Stimmen wirkt erstaunlich organisch. Keiner drängt sich in den Vordergrund, vielmehr scheinen die Songs so arrangiert, dass jede Stimme zur richtigen Zeit ihr Maximum entfalten kann. Das Ergebnis ist ein Album, das nicht wie ein Kompromiss klingt, sondern wie ein geschlossenes Ganzes. Neu ist hier wenig, das stimmt. Aber HELLOWEEN müssen nichts neu erfinden.

GIANTS & MONSTERS lebt davon, vertraute Stärken neu zu bündeln und in zeitlos frische Songs zu gießen. Voller Energie, Melodie und dieser unnachahmlichen Portion Optimismus, die nur die Kürbisköpfe so hinbekommen. Für mich kriegen die Ur-Power Metaller 9 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Frank Weichert:

HELLOWEEN, eine der Bands die mich von Anfang an begeisterte, zumindest die ersten drei Alben. Was danach kam, da legen wir lieber den Mantel des Schweigens drüber. Und als dann Andi Deris bei HELLOWEEN als Sänger vorgestellt wurde, hatte ich starke Runzeln auf der Stirn, nicht das ich Andi Deris für einen schlechten Sänger halte, im Gegenteil, ich liebe bis heute die Alben von Pink Cream 69 als er dort noch Sänger war. Aber Deris und HELLOWEEN? Das hat für mich überhaupt nicht gepasst, zumindest nicht unter dem Namen HELLOWEEN.

Umso erfreulicher war für mich als die große Re-Union von HELLOWEEN verkündet wurde, mit Andi Deris. Und was man dann auf der „Pumpkins United Tour“ um die Ohren bekam, das war schon verdammt stark. Damit hat sich die Metal Welt für mich wieder ein wenig geradegerückt. Auch Andi hat sich Stimmlich verdammt gut gemacht und er passt jetzt für mich zu HELLOWEEN. Ebenso das „erste“ gemeinsame Album „Helloween“.

Und nun steht das neue Album in den Startlöchern: GIANTS & MONSTERS. Also, rein in den Player und ab. Schon der Opener, „Giants on the Run“ lässt auf ein klasse Album schließen. Ein geiler Song in denen Kiske, Deris und Hansen im Wechsel singen, genial. Auch „Savior of the World“ knüpft genau am ersten Song an. Erreicht aber nicht die Klasse des Openers.

„A Little is a little too much“ ist ein klasse Song. Früher hätte man gesagt, der hat das Zeug um die Leute auf die Tanzfläche zu locken. Richtig schöne 80er Anleihen. Geil gemacht.

Mit „We can be Gods“ kommt nochmal ein heavy Song, ganz in HELLOWEEN Manier, treibend und mitreißend.

Die geile Ballade „Into the Sun“, damit hauen die Jungs nochmal was richtig Geiles raus. Kiske und Balladen, das passt einfach wie die Faust aufs Auge. Genial.

Aber danach fängt es für mich an, rapide nach unten zu gehen. Ohne auf die einzelnen Songs einzugehen, aber diese sind einfach unspektakulär und plätschern so vor sich hin. Teilweise werde ich da an eine Zeit von HELLOWEEN erinnert, die ich jahrelang ausgeblendet habe. Einzig der Song „Majestic“ lässt nochmal die Klasse von HELLOWEEN aufblitzen.

Aber alles in Allem, die Erwartung nach dem Killeralbum „Helloween“ war hoch aber leider wurde es für mich nichts, diese Latte nochmal zu überspringen (oder zumindest zu halten), dafür sind mir zu viele schwache Songs drauf.

Bei der Punktevergabe schwanke ich zwischen 6,5 und 7,0 Hellfire Punkten, also machen wir 6,75 Hellfire Punkte!

Damit ergeben sich als durchschnittliche Bewertung 7,38 von 10 Hellfire Punkten.

Tracklist:

  1. Giants On The Run
  2. Savior Of The World
  3. A Little Is A Little Too Much
  4. We Can Be Gods
  5. Into The Sun
  6. This Is Tokyo
  7. Universe (Gravity For Hearts)
  8. Hand Of God
  9. Under The Moonlight
  10. Majestic
  11. Out Of Control

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