Heartless Human Harvest – Agony in Silence

© Heartless Human Harvest

 

Geschrieben von: Tim Karow 
Band: Heartless Human Harvest 
Album: Agony in Silence
Genre: Metalcore / Deathcore
Plattenfirma: Corrupted Blood Records
Veröffentlichung: 04.09.2026

 

Mit „Agony in Silence“ schlagen Heartless Human Harvest das nächste Kapitel ihrer noch jungen Bandgeschichte auf. Für die Band aus Lingen ist es gleichzeitig die erste Veröffentlichung über Corrupted Blood Records, und nachdem wir die Jungs bereits bei Wacken live erleben und dort erste Eindrücke vom neuen Material sammeln konnten, war die Spannung auf die Platte entsprechend groß. Passend zum Release ist ebenfalls die Corrupted Blood Pit Show, moderiert Alissa White-Gluz. Mal schauen was Marcel, Jonas, Benny, Joop und Yannic zaubern konnten! 

Nach dem ein oder anderen Mal hören, lässt sich direkt sagen: Diese Platte will nicht nett sein! (Natürlich ist das Positiv gemeint, bitte nicht verklagen).

Heartless Human Harvest bewegen sich tief im Metalcore / Deathcore und setzen dabei auf fette Gitarren, brutale Grooves, wuchtige Drums und eine düstere Atmosphäre. Das Ganze wirkt weniger wie ein kontrollierter Sturm als vielmehr wie eine Abrissbirne, die permanent auf den nächsten Takt wartet. Es ist eine Große Weiterentwicklung seit dem 2023 erschienene „Mental Curse“. Hier wirkt alles professioneller und reifer. Erstere kann man deutlich in der Qualität der EP hören! 

Der absolute Brecher kommt direkt als erstes mit „Pray“. Schon live hat der Song ordentlich eingeschlagen und genau dieses Gefühl funktioniert auch auf Platte. Die Gitarren von Jonas drücken ordentlich nach vorne, während der Groove dafür sorgt, dass der Nacken praktisch automatisch mitarbeitet.

Besonders der Refrain bleibt hängen und wird auch Tage später noch im Kopf mitgeschleppt: 
I will never be 
who you wanna see
Your prayers won’t mean anything to me
Fuck you and your believe
I will give up who I was 
And you can go praise the Lord
Praise the Holy Spirit above 

Inhaltlich geht es um Abgrenzung, Glauben und die Weigerung, sich den Erwartungen anderer unterzuordnen. Musikalisch ist das Ganze allerdings noch wesentlich deutlicher: „Pray“ ist Schepper-Alarm ! 

Und natürlich darf der Breakdown nicht fehlen. Schwer, direkt und genau so eingesetzt, wie man es von einer Band wie Heartless Human Harvest erwartet.

Mit „Altered Realities“ wird es psychologisch deutlich düsterer. Der Song beschäftigt sich mit dem schmalen Grat zwischen Realität und Einbildung, mit Gedanken, die sich verselbstständigen und irgendwann die eigene Wahrnehmung beeinflussen.

Genau dieses Gefühl funktioniert auch musikalisch. Der Song entwickelt eine gewisse Sogwirkung und vermittelt das Gefühl, immer tiefer hineingezogen zu werden.

Für mich ist „Altered Realities“ gleichzeitig der Song, bei dem sich die einzelnen Instrumente am schönsten heraushören lassen. Besonders Joops Bassspiel fällt hier auf. Der Bass steht nicht einfach irgendwo im vorder- oder Hintergrund hinter den Gitarren, sondern bekommt seinen eigenen Raum und verleiht dem Stück zusätzlich Druck.

Track Nummer 3 ist „Hope“ . Die zuletzt erschienene Single zeigt anschließend eine andere Seite der Band. Der Song bleibt aggressiv und schwer, besitzt aber gleichzeitig eine deutlich emotionalere Ebene.

Thematisch geht es um eine toxische Vergangenheit und darum, wie aus schwierigen Erfahrungen irgendwann wieder Hoffnung entstehen kann. Wichtig ist dabei, dass der Song den Schmerz nicht glorifiziert, sondern vielmehr den Weg aus dieser Dunkelheit thematisiert.

Musikalisch bleibt trotzdem Heartless Human Harvest, Heartless Human Harvest: dicke Gitarren, aggressive Vocals und ordentlich Druck. Nur eben mit einer emotionalen Note, die dem Song zusätzliche Tiefe verleiht. Chapeau!

Einer der neuen Songs ist „Dust“. „Dust“ schlägt direkt in das Gesicht.
Hier muss ich besonders Yannicks Drumming hervorheben. Der Kerl haut auf die Felle, als gäbe es kein Morgen. Die Drums treiben den Song permanent nach vorne und geben dem Stück diese zusätzliche Portion Energie.

Das Feature mit DIESECT passt ebenfalls hervorragend. Statt den Song unnötig zu überladen, bringt deren Beteiligung frischen Wind hinein und funktioniert überraschend organisch.

Dazu kommt eine Energie, die stark an Knocked Loose erinnert. Nicht als billige Kopie, sondern durch diese Mischung aus aggressivem Hardcore, chaotischer Energie und einem Groove, der gleichzeitig brutal und verdammt eingängig ist.

Den Abschluss bildet „False Prophet“ und natürlich verabschieden sich Heartless Human Harvest nicht plötzlich mit einer Kuschelballade. Ganz im Gegenteil. Der Song ist schwer, dreckig und unangenehm auf die beste mögliche Art. Die Gitarren drücken gewaltig, und dann kommt bei etwa 1:07 Minuten dieses kurze „Hu!“, das einfach genau im richtigen Moment sitzt. Ein kleines Detail, das mich jedes Mal grinsen lässt.

Und kaum hat man sich davon erholt, kommen Marcels Growls um die Ecke. Gerade im letzten Abschnitt steigert sich der Song noch einmal ordentlich und entwickelt sich zu einem richtig starken Finale.

Was soll ich zu HxHxH sagen? „Agony in Silence“ zeigt eine Band, die genau weiß, was sie will. Heartless Human Harvest bewegen sich in eine neue Ära, mit einem neueren professionelleren und düsteren Klang. Dieser passt perfekt zur neuen Seite! Wer lang auf die EP gewartet hat, der wird auf jeden Fall belohnt, auch wenn die EP eine Länge von 14 Minuten hat! 

„Agony in Silence“ gehört für mich ganz klar zu den stärksten Releases dieses Jahres, wenn nicht sogar zum stärksten. Heartless Human Harvest liefern hier eine brachiale Mischung aus dem Core-Bereich, fetten Gitarren, gnadenlosen Drums und düsterer Atmosphäre ab, die von der ersten bis zur letzten Minute funktioniert. Jeder Song hat seinen eigenen Charakter, trotzdem wirkt die Platte wie aus einem Guss.

Was mich besonders überzeugt: Die Band klingt nicht einfach nur schwer, sondern hungrig, wütend und verdammt lebendig. Nach den bereits starken Live-Eindrücken bei Wacken bestätigt „Agony in Silence“ endgültig, dass mit Heartless Human Harvest zu rechnen ist.
Für mich ist das eines der besten, wenn nicht sogar das stärkste Release 2026!
10 von 10 Hellfire-Punkten gehen nach Lingen! 
HxHxH, ihr habt ein genialen Job gemacht, danke!

 

Tracklist:

01 Pray
02 Altered Realties
03 Hope
04 Dust (With DIESECT)
05 False Prophet

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