Harvested – Dysthymia

© Harvested

 

Geschrieben von: Tim Karow
Band: Harvested
Album: Dysthymia
Genre: Death Metal / Brutal Death Metal 
Plattenfirma: Independant
Veröffentlichung: 01.08.2025

 

Es gibt Alben, die dich unterhalten. Dann gibt es Alben, die dich herausfordern. Und dann gibt es „Dysthymia“. Ein Album, das dich gnadenlos in den Abgrund stößt, dir das Rückgrat rausreißt und dich im Dreck deiner eigenen inneren Leere liegen lässt. Harvested liefern keine Songs im klassischen Sinne. Nein, hier wird seziert, zerstört, ausgelöscht. Jeder Ton, jeder Schrei, jede rhythmische Verstörung ist ein bewusster Angriff auf deine emotionale Integrität. Dieses Album ist die musikalische Entsprechung eines psychotischen Zusammenbruchs, blos mit 8-saitigen Gitarren und Drum-Gewittern, die wie Maschinengewehrsalven durch den Schädel rattern.

Der Track „Harvested“ ist eine eiskalte, mechanische Einleitung in das, was kommt. Dissonanzen, die wie rostige Nadeln durch die Gehörgänge kriechen, und ein Breakdown, der klingt, als würde ein stählerner Koloss in eine Kathedrale aus Fleisch treten. Der Song ist kein Einstieg, sondern ein Absturz.
Direkt in ein Meer aus Noise und gebrülltem Wahnsinn. Was soll ich zu „Represses Neurosis“ sagen. Wenn Neurosis sich mit Hate Eternal in einem Albtraum zusammenschließen würden, käme dieser Song dabei raus. Die Gitarrenriffs wirken wie automatisierte Skalpell Bewegungen, präzise, kalt, verstörend. Der Gesang von Adam Semler ist mehr Bekenntnis als Performance.
Der darauffolgende Track „Unending Madness“ ist der musikalische Inbegriff von Kontrollverlust. Das Schlagzeug unter der Besatzung von Jacob Collins bricht alle Erwartungen, baut rhythmische Ungeheuer, die dich vollkommen desorientieren. Der Bass klingt wie ein verfaulender Generator, irgendwo in einem verlassenen Atomreaktor. Ein sehr genialer Song!
„Synaptic Confusion“. Ab hier ist Schluss mit Lustig. Dieser Track ist strukturell zersetzt wie ein Geisteskranker auf fünf Halluzinogenen. Gitarrenlinien verlaufen ins Nichts, der Groove bricht auseinander, nur um sich in einem chaotischen Finale zu entladen, das wie eine Mischung aus Portal, Gorguts und dem Soundtrack eines drohenden Nervenzusammenbruchs wirkt. Melodischer, drückender, brutaler.
„Designed Dilemma“ fühlt sich an wie eine schwere Krankheit, die langsam durch den Körper kriecht. Der Songtitel passt wie die Faust aufs Auge. Es ist ein sorgfältig konstruiertes akustisches Dilemma, das dich zwingt, dich auf das Unangenehme einzulassen. Die Gitarrenarbeit ist krankhaft intelligent. Es wird nicht gespielt, es wird zerlegt. Ich liebe es! Hier geht ein großes Lob raus den dieser Song hat es in sich, sicher einer der Favoriten.
Der wohl außergewöhnlichste Song ist „Gathered and Deluded“. Sehr schwere Gitarren Riffs die einfach eine Pause zwischen machen und beim ersten Mal hören direkt Begeisterung herzaubert. Leider sind die Vocals nicht so gut verständlich wie bei den vorherigen Tracks jedoch immer noch gut zum headbangen!
Noch eine schippe an Brutalität legt es „Voices of the void“ drauf. Die Struktur dieses Songs ist genial sowie die abwechselnden guttural und fast Black Metal artigen Gekrächze. Der Double-Bass ist besonders hervorgehoben, welches Jacob Collins mal wieder überragend spielt.
Der Titel „Unanchored“ passt perfekt! Der Song wirkt losgelöst von jeder Struktur, jeder Erwartung. Der Gitarrensound ist so verwaschen und organisch, dass man kaum zwischen Dissonanz und Feedback unterscheiden kann. Die Vocals sind so tief, dass man sie mehr spürt als hört. Ein Klanglabyrinth ohne Zentrum. Das große Finale. Der Song wächst, mutiert, frisst sich durch alles, was davor war. Ein epischer Abschluss in der Sprache der Abscheu.
Fast 5 Minuten lang breitet sich „The Infestation“ wie eine Seuche aus, getragen von einem sich immer wieder wiederholenden Gitarrenmotiv, das sich steigert wie eine besessene Litanei. Hier wird nichts abgeschlossen. Hier bleibt nur 
Die Produktion ist bewusst unbequem, Bass lastig, mit muffigem Raumklang und ultra-trockenen Gitarren. Alles klingt so, als wäre es in einem verfallenen Keller aufgenommen worden, und das ist ein Kompliment. Der Mix zwingt dich, genau hinzuhören. Er ist brutal, ohne überkomprimiert zu sein, und schafft es, gleichzeitig klar und verschmutzt zu klingen. Ein Manko habe ich jedoch: Fast alle Songs gehen ungefähr 3 Minuten bis 3 Minuten und 30 Sekunden. Bei den Songs hätte ich mir nur eine längere Spielzeit gewünscht, da man schnell enttäuscht ist, dass es schon früh vorbei ist.

Die Atmosphäre des Albums ist… ungesund. Es lädt sehr zum Headbangen ein. Aber Vorsicht! Es besteht Gefahr dass man sich den Nacken zerrt.
Ich vergebe der kanadischen Band „Harvested“ 8 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist :

01 Harvested
02 Repressed Neurosis
03 Unending Madness
04 Synaptic Confusion
05 Designed Dilemma
06 Gathered And Deluded
07 Voices Of The Void
08 Unanchored
09 The Infestation

 

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