
© Frozen Sand
Geschrieben von Tim Braff
Band: Frozen Sand
Album: Fractals: A Light Among Shadows
Genre: Progressive Metal, Alternative Metal, Orchestral
Plattenfirma: Self-Release
Veröffentlichung: 15.05.2026
Die italienische Progressive Metalband Frozen Sand steht für Metal, der einzigartig ist. Da der Progressive Metal-Bereich je nach Band, Herkunft und zeitlicher Gegebenheiten extrem weit auseinander liegen kann, bin ich mit einer erwartungslosen Einstellung in ihr neues Album „Fractals: A Light Among Shadows“ eingetaucht und wurde dennoch sehr überrascht. Mit ihrem 2. Album haben sie etwas geschaffen, was vermutlich einmalig in meiner Hörerfahrung bleibt.
Ihr neues Album ist zunächst deutlich spürbar ein Konzeptalbum. Die Songs haben eine zusammenhängende Atmosphäre, die Songs wirken aufeinander abgestimmt und die Thematik liegt eng zusammen bei den einzelnen Songs. Konzeptalben in 2026 sind für die Musiker Risiken, weil Hörer zum Abspielen einzelner Songs neigen, sodass das Werk als Ganzes an Bedeutung verliert. Umso lobenswerter finde ich es trotzdem, wenn Musiker Konzeptalben produzieren; es zeigt auf jeden Fall die Liebe zur Musik und zu einer bestimmten Idee. Leidenschaftlicher kann kaum ein Album werden.
Insbesondere auf dieser Platte merkt man, dass genau genannte Merkmale vorliegen, denn das Album profitiert davon als Gesamtwerk betrachtet zu werden und auch in der vielseitigen Ausarbeitung der einzelnen Songs merkt man das Herzblut, was sie in „Fractals: A Light Among Shadows“ gesteckt haben.
Neben der Idee, die mir grundsätzlich gefällt, ist ihre musikalische Ausarbeitung eine wilde Erfahrung. Einerseits gibt es einige Momente, die mehr sehr gut gefallen: Groovige Gitarren, spannende Wechsel im Tempo, epische & harte Vocals oder auch insgesamt kräftige Refrains, die gut eingebettet wurden. Anderseits gibt es Passagen, die ich nicht ganz begreife oder sich für mich mit dem restlichen Track beißen: zunächst unpassend wirkende Melodien, Vocals, die nicht meinen Geschmack treffen, für mich verstolperte Rhythmen auf der Gitarre und einzelne Elemente, dessen Zweck ich nicht begreifen kann. Es ist abwechselnd sowohl ziemlich stark als auch unpassend für mein Empfinden. Dadurch entsteht für mich eine einzigartige Hörerfahrung, die auch anspruchsvoll fürs aufmerksame Zuhören ist, da man teilweise mittendrin ist, einen Abschnitt zu verarbeiten, während der nächste Abschnitt Einen bereits irritiert. Irgendwie hat es mir aber dieser Widerspruch angetan.
Die Songs sind auch für Progressive-Verhältnisse sehr individuell und dementsprechend voneinander verschieden, was ihre Kreativität und die zuvor angesprochene Leidenschaft untermauert. Das Intro ist ein düsteres Orchestral-Werk, was quasi jede Erwartung in die Schranken weist, da man danach keine Idee hat, was und wie etwas auf einen zukommen wird. Es gibt Songs, die stilistische Merkmale aufweisen, die sich durch einen Song einen Song ziehen. Das sind meistens Genre-Elemente, bei welchen unter anderem Einflüsse aus Nu-Metal, Melodic Death Metal, Industrial Metal und auch Modern Metal vorhanden sind. Die Vielfalt gefällt mir, da ich auch Fan dieser einzelnen Subgenres bin und dadurch einen Zugang zum Album entwickeln konnte. Es gibt aber auch Songs wie „Fracture“, die alle genannten Einflüsse kombinieren und dabei einen fetten Sound erzeugen, der zwar nicht griffig ist, aber dafür umso mehr Identität dem Album verleiht. Das Outro wiederum ist rein orchestral.
Das aber wichtigste Element des Albums ist der Gebrauch von Gegensätzen. Ruhig vs. energisch, groovig vs. antreibend, stimmig vs. dissonant oder offensichtlich vs. unerwartet. Das zeichnet erst das Album aus und macht es so charakteristisch. Alles Genannte macht es mir so schwierig, dies konkret für mich einzuordnen.
Fazit: „Fractals: A Light Among Shadows“ ist ein einmaliges Erlebnis mit Kanten und eigenem Charakter. Das Album ermöglicht es, es zweierlei zu bewerten und eine Art Hörer-Dilemma auszulösen. Das hatte ich in der Form bislang noch nicht. Eine Hörempfehlung kann ich mehr als guten Gewissens aussprechen, aber zum Bewerten bin ich zu unentschlossen, deshalb bleibt es ohne Bewertung.
Tracklist:
01 Midnight
02 Trauma
03 Nothingness
04 Fracture
05 Neverending Circle
06 Specters in My Dreams
07 Meet the Enemy
08 The Aftertaste
09 Freezing Time, Seizing Space – The Final Chronicle
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