Five Finger Death Punch – Legacy

© Five Finger Death Punch

 

Geschrieben von Tim Braff
Band: Five Finger Death Punch
Album: Legacy
Genre: Groove Metal
Plattenfirma: Better Noise
Veröffentlichung: 31.07.2026

 

Die amerikanische Metalband Five Finger Death Punch zelebriert mit „Legacy“ ihr 20-jähriges Bestehen als Band. Dabei haben sie sich musikalisch von ihrer retrospektiven Betrachtung ihrer Zeit beeinflussen lassen.

Bereits der Einstieg mit dem Titeltrack zeigt, dass die Band sich nicht weiterentwickelt hat und seit 20 Jahren auf den gleichen Sound vertraut. Wer davon nicht satt wird, hat auf jeden Fall neues Material für sich gefunden. Für mein Empfinden ist es fast erschreckend, wie sehr eine Band einen Sound-Idee ausschlachten kann.

Der nächstjährige Wacken-Headliner hat in ihrer Karriere schon einiges an Kritik sowohl musikalisch als auch vom Image her einstecken müssen. Die meines Erachtens berechtigte Kritik am immer gleich klingenden Sound wird sich auch hier bei „Legacy“ fortführen. Nicht nur der Titeltrack, sondern das gesamte Album klingt wie eine weitere Kopie ihres Sounds. Dass man bei einem zufälligen Hören dieses Albums nicht sagen kann, ob der Song 10 Jahre, 10 Monate oder 10 Tage alt ist, ist bei Five Finger Death Punch die eine Sache. Die andere Sache ist, dass meines Erachtens das Hören eines ihrer Alben stets langweilig wird nach spätestens 3 Songs. Das war und ist bei „Legacy“ für mich auch wieder der Fall.

Normalerweise gehe ich ungern auf die lyrische Ausarbeitung eines Songs ein, da Interpretationen und andere Faktoren stark subjektiv abweichen können. Was aber bei Five Finger Death Punch auffällt, ist der sehr einfache und sehr voraussehbare Text. Beim ersten Hören konnte ich bei jedem einzelnen Song einige Wörter und Phrasen vorhersagen, was meiner Meinung nach ein lyrisches Armutszeugnis ist. Texte dürfen verrückt sein, Texte können auch manchmal sinnfrei sein, aber vom Gefühl belanglos dahin geschwafelt, ist für mich ein großer negativer Kritikpunkt dieser Platte.

Diese Lyrics werden dann ziemlich eingängig aufgenommen und präsentiert, was per se eigentlich eine gute Sache sein kann. Eingängige Songs haben Hymnen- und Hit-Potenzial. Mir gefällt aber die Art und Weise auf „Legacy“ überhaupt nicht. Einige Passagen klingen unnötig epischer als notwendig und manchmal sogar fast schon unangenehm beim Hören. Die Band wird gerne mit sogenannten „Posern“ assoziiert – eigentlich verabscheue ich diesen Begriff, weil er keinerlei Substanz hat – und ich finde, dass das bei „Legacy“ tatsächlich zutrifft. Beim Hören kriegt man das Gefühl, dass irgendwelche eigentlich Nicht-Rock- oder Metal-Fans davon begeistert sind und diese Musik dann als ihre „böse Seite“ darstellen. In der Jugendsprache sagt man dazu gerne „edgy“. Die Krönung dieses Gefühls ist das Outro des letzten Songs „Scapegoat“, was ein Simples und für mich schon fast lächerliches „Fuck You“ ist. Die Art und Weise verstärkt zudem die unangenehme Stimmung. An manchen Punkten klingen die Refrains sogar nach überepischen KI-Songs, wobei ich hier der Band auf gar keinen Fall die Nutzung von KI unterstellen will, da sie genau solche Refrains seit Anbeginn der Bandgeschichte verwenden, bevor KI dazu in der Lage war. Das Gefühl beim Hören ist (unauthentisch) das Gleiche.

Thematisch ist „Legacy“ ebenso typisch Five Finger Death Punch. Von Ego-Push bis „Ich-bin-böse“-Reflexion findet man auch hier wieder die Bandbreite an ihren Themen, die man gewohnt ist. Mehr brauche ich, denke ich, nicht dazu kommentieren.

Nach all der negativen Kritik möchte ich die Instrumente und insbesondere die Gitarrenriffs loben. Auch wenn ihr Stil stets gleichgeblieben ist, sind ihre Gitarren erfolgreich darin, zum Headbangen anzuregen. Die Instrumente sind eine ziemlich gute Repräsentation des amerikanischen Aufschwungs des Groove Metals bzw. der sogenannten New Wave of American Heavy Metal in den 2000ern, da sie mit Bounce und Rhythmus überzeugen können. Dahingehend hat mir „Legacy“ eigentlich ganz gut gefallen.

Meine große Kritik der Band basiert außerdem nicht auf einer persönlichen Abneigung gegenüber Ian Moody; ich bin eigentlich ein Fan seines Gesangs bei seinen vorherigen Projekten wie Motograter. Da hat er meiner Meinung nach eine bessere Leistung bewiesen.

Fazit: Bei einer Band der Größe von Five Finger Death Punch ist ein Album-Release immer etwas Gigantisches und vor allem, wenn man damit 20 Jahre Bandgeschichte feiern möchte. Für mich ist das Album weder dem Anlass noch der Größe der Band würdig. Zwar weist die Platte Eingängigkeit (für mich auf die falsche Weise) und starke Instrumental auf, aber der Platte so wirklich etwas abgewinnen, kann ich nichts. Ich höre eigentlich alles im Rock und Metal, aber mein Geschmack und meine Mindestanforderungen an mir vorliegende Alben wurden meilenweit verfehlt. Bislang ist das meine größte Enttäuschung in meiner Hellfire-Geschichte.
2 von 10 Hellfire-Punkten!

 

Tracklist:

01 Legacy
02 De Opresso Liber
03 Eye Of The Storm
04 Nails In The Coffin
05 In Time
06 Unscathed
07 Joke’s On Me
08 Everybody Lies
09 Shelter
10 Scapegoat

 

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