El Muerto – Lost and Amsterdamned

© El Muerto

 

Geschrieben von: Tim Karow 
Band: El Muerto
Album: Lost and Amsterdamned
Genre: Blackened Death Metal
Plattenfirma: Independent 
Veröffentlichung: 21.11.2025

 

Wenn ein Musiker schon die halbe Welt bereist hat und seine Instrumente vermutlich öfter in andere Zeitzonen geschleppt hat als du deinen Wäschekorb in die Waschküche, dann weiß man: Da kommt irgendwas Interessantes. Ricardo Botello, früher Mexiko, dann Australien, jetzt Niederlande, startet mit El Muerto sein neuestes Unruheprojekt. Und siehe da. Das Ergebnis klingt tatsächlich so, als hätte er überall ein paar musikalische Dämonen eingesammelt und jetzt alle gleichzeitig vor die Tür gesetzt.

„Lost and Amsterdamned“ besteht aus sechs Stücken, die insgesamt etwa eine halbe Stunde brauchen, um dir mal ordentlich die Wohnung umzuräumen. Der Sound? Schwarz, kalt, bissig, aber nicht ohne kleinen Augenzwinkerer, der wahrscheinlich vom Bassisten oder dem Kaffeeautomaten im Studio kam.

Los geht’s mit „Enthroned in the Tower of Shadows (The Witch)“, einem Song, der direkt klarstellt, ier wird nicht lang gefackelt. Klassisch-schwarzmetallische Gitarren, zischige Vocals, eine Synth-Schattendecke und ein Solo, das klingt, als hätte jemand der Gitarre kurz Stromstöße gegeben. Funktioniert gut, reißt sofort rein. „Ghosts of Torment“ treibt das Ganze weiter, Botellos Stimme klingt, als wäre der Kerl gleichzeitig in Lava gefallen und schlecht gelaunt. Schön nordisch-melancholisch, aber mit genug Biss, dass die Nummer nicht in Schwelgerei versumpft. Schlagzeuger Robin Stone klingt dabei, als würde er mit einem Hagelsturm konkurrieren wollen. Sympathisch. „Lich King“ hat dann diese frostigen Piano-Tupfer und wirkt wie ein unheimlicher Spaziergang durch einen verlassenen U-Bahntunnel. Nicht überkandidelt, einfach schön düster und mit einer Basslinie, die tatsächlich Gefühl zeigt, bevor sie dir wieder ins Schienbein tritt.

Richtig kurios wird es bei „A Song for Ran“. Da kommt erstmal Jazz. Ja, Jazz. Ganz locker flockig, bevor das Ding dann komplett ausrastet. Als hätte jemand einen Serienmörder gebeten, ein Lounge-Konzert zu spielen. Funktioniert überraschend gut, auch wenn man sich zwischendurch fragt: „Leute… was genau macht ihr da eigentlich?“

Mit „Blood Crypt“ ist man dann wieder klassisch unterwegs. Schwarz, böse, atmosphärisch, ein bisschen so, als würde ein Friedhof im Herbstwind pfeifen. Sauberes Ding. Und „Wolves of Den Haag“ setzt zum Abschluss ein historisch inspirierte, angenehm garstige Note, ein kleiner Bastard aus Black Metal und düsterem Folk, der mit knurrenden Vocals und ekligen Gitarrenenden nochmal richtig die Fenster beschlägt.

„Lost and Amsterdamned“ ist kein perfektes Album, dafür schwankt es zu sehr zwischen genialen Ideen und solchen Momenten, in denen man sich fragt, ob der Band zwischendurch jemand die Fernbedienung in den Mixer geworfen hat. Aber: Es hat Charakter. Persönlichkeit. Mut. Und vor allem keine Langeweile. 7 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist

01 Enthrowned In The Tower Of Shadows (The Witch)
02 Ghost Of Torment (feat. Tommaso Tani)
03 Lich King
04 A Song For Ran
05 Blood Crypt
06 Wolves Of Den Haag

 

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