
© Dissmulator
Geschrieben von Mathias Keiber
Band: Dissimulator
Album: Artifice Dissolves
Genre: Technical Thrash Metal/Technical Death Metal
Plattenfirma: 20 Buck Spin
Veröffentlichung: 02.10.2026
Manche Plattencover sind visuell so grandios, dass ich schlicht nicht anders kann, als mir das dazugehörige Album unbedingt anzuhören. „Artifice Dissolves“, das zweite Album von DISSIMULATOR, ist genau so ein Fall: Darauf löst sich eine biomechanische Gestalt, halb Skelett, halb Maschine, in grün schimmernde Leiterbahnen und Pixelfragmente auf, während an ihrer Hand ein Herz an Adern baumelt. Diesem Anblick konnte ich nicht widerstehen, obwohl Technical Thrash und Technical Death Metal eigentlich nicht unbedingt meine bevorzugte Spielwiese sind.
Warum? Weil es mir, und das liegt in der Natur des Genres, schwerfällt, den Überblick zu behalten. Nun ist auch „Artifice Dissolves“ kein Album, das man nach dem dritten, vierten oder fünften Durchgang kennt wie seine Westentasche. Aber es ist eines, das den Einstieg erstaunlich leicht macht und dabei unglaublich viel bietet, woran man sich festhalten kann.
Warum der Einstieg so leicht fällt: Die Produktion klingt angenehm warm und transparent, ohne jemals zu übersteuern oder künstlich aufgeblasen zu wirken. Es entsteht vielmehr das Gefühl, der Band direkt im Proberaum gegenüberzustehen. Besonders die organisch klingende Snaredrum sticht heraus: jeder Beat ein Unikat. Aber es ist natürlich nicht nur der Sound, der „Artifice Dissolves“ zu einem Hochgenuss macht.
Abwechslungsreichtum allein ist im Technical Thrash oder Technical Death Metal noch kein Qualitätsmerkmal. Dass ständig etwas passiert, gehört schließlich zum Wesen dieser Spielart. Entscheidend ist vielmehr: Bleibt wenig hängen oder viel? Wirken die Ideen konstruiert oder wie aus einem Guss? Verlässt man das Album nach einem Durchgang erschöpft oder startet man sofort die nächste Runde? Bei „Artifice Dissolves“ fallen die Antworten eindeutig aus.
Schon die ersten anderthalb Minuten des Titelsongs liefern ein perfektes Beispiel für den Unterhaltungswert: Der Song eröffnet mit einem an Metallicas „Dyer’s Eve“ erinnernden Riff, nur noch schneller. Sekunden später folgt ein Wirbelsturm aus Blastbeats, der beinahe nahtlos in ein Doublebass-Gewitter übergeht. Nach rund einer Minute fällt der Song kurz in sich zusammen, bevor er mit einer Variation des Anfangsriffs erneut unwiderstehlich lossprintet. Man bekommt das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht.
Und so geht das nicht nur in den ersten anderthalb Minuten des Titelsongs, sondern praktisch die ganze Zeit. Denn DISSIMULATOR verfügen nicht einfach über Unmengen an Riffs. Die Riffs selbst sind bis ins letzte Detail ausgearbeitet und zugleich erstaunlich variabel. Die Krönung findet sich im abschließenden „Robostrobos“: Das nach gut vier Minuten einsetzende Riff wankt wie ein Besoffener, kommt aber trotzdem nicht aus dem Tritt – ganz großes Tennis!
Auch im Detail sitzt nahezu alles. Hier und da taucht ein Stimmeffekt auf, wie man ihn aus den Science-Fiction-Serien der späten Sechziger kennt. Das passt perfekt zum grandiosen Artwork und zur futuristischen Atmosphäre des Albums. Selbst das Interlude „Dusk“ kommt exakt zum richtigen Zeitpunkt. Mit seinem leicht melancholischen, an „Blade Runner“ erinnernden Flair schafft es einen kurzen Moment der Orientierung, bevor die nächste technische Machtdemonstration losbricht.
Von mir gibt’s 9 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist:
01 Apophenic Rage 05:07
02 Hungry Ghosts 05:51
03 Artifice Dissolves 07:10
04 Alloyed 05:09
05 Proprioceptor 05:38
06 Dusk 01:11
07 Neon Metropolis 05:52
08 Anodyne 02:56
09 Robostrobos 06:50









