Der Plattencheck 10 Jahre später: > Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist <

© Saltatio Mortis

 

2015! Das Jahr in dem das Hellfire Magazin geboren wurde. Zum 10-jährigen Jubiläum haben wir vom Hellfire unsere Lieblingsalben aus 2015 noch einmal unter die Lupe genommen und stellen diese nun in den nächsten Wochen bis Weihnachten in einer Special Review nach und nach vor. Heute ist Mittelalterrock von Saltatio Mortis an der Reihe!

 

Geschrieben von: Tim Karow
Band: Saltatio Mortis
Album: Zirkus Zeitgeist
Genre: Folk Metal / Mittelalter Rock
Plattenfirma: Napalm / Vertigo Records
Veröffentlichung: 14.08.2015

 

Es gibt Alben, die entdeckt man irgendwann mal im Leben. Und dann gibt es „Zirkus Zeitgeist“. Bei mir lief die Platte nicht nur irgendwann, sie lief immer. Ich war acht Jahre alt und der alte CD-Player im Auto meiner Eltern hatte genau zwei Modi: „Aus“ und „spielt Zirkus Zeitgeist“. Und, Himmel hilf, wie sehr hat mich das geprägt. Wenn ich dieses Album heute auflege, rieche ich förmlich wieder den warm gefahrenen Innenraum, nervende Geschwister, höre die scheppernden Boxen meines Kindheitskarren und glaube kurz, ich hätte noch Milchzähne. Nostalgie-Level: Anschlag.

Aber das ist nur der Einstieg. Denn selbst ohne rosa Kindheitsbrille ist Zirkus Zeitgeist eines dieser seltenen Dinger, bei denen man merkt, dass ein verdammtes Meisterwerk veröffentlicht wurde. Saltatio Mortis waren 2015 auf einem absoluten Höhenflug. Politisch aufgeladen, musikalisch mutig, und lyrisch schärfer als jede Narrenkappe es vermuten lassen würde. „Zirkus Zeitgeist“ ist wie ein Rundumschlag auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Mal laut, bunt, anklagend und gleichzeitig so unverschämt eingängig, dass man schon nach dem zweiten Refrain weiß, wo’s langgeht.

Wo sind die Clowns?“, das Ding ist heute noch so aktuell, dass man meint, sie hätten es gestern Abend erst geschrieben. Der Song prangert alles an, was uns seit Jahren auf den Zwirn geht und schafft es trotzdem, ein richtiger Mitsing-Stampfer zu bleiben. Und „Rattenfänger“? Ein Brett, das lyrisch tiefer sitzt als alles, was ich sonst so gehört habe! Die Nummer hat mich als Kind gepackt und tut es heute noch und das will was heißen, denn Achtjährige sind normalerweise nicht die Zielgruppe für Rache eines Spielmanns mit Dudelsack.

Zirkus Zeitgeist“ schafft es, ernst, verspielt, wütend und tröstlich zugleich zu sein. Das ist das Ulkige. Die Band fährt auf diesem Album ihre vielleicht stärkste Songwriting Phase auf. Hier ist alles kompakt, pointiert und jedes Lied hat eine klare Ansage. Keine Füller, keine „Ja gut, der Song musste halt auch noch drauf“-Momente. Alles sitzt. Alles wirkt. Alles hat Biss. Und wenn man das Album heute hört, merkt man erst so richtig, wie gut es gealtert ist. Manche Platten aus dieser Zeit hängen heute ein bisschen schief in der Ecke, aber „Zirkus Zeitgeist“? Das Ding steht da, breitbeinig, selbstbewusst und mit einem verschmitzten Grinsen, als wolle es sagen: „Jo, ich bin immer noch einer der Großen. Und?“

Für mich ist die Wahl klar. Kein Album hat 2015 so nachhaltig abgeliefert, so viel Haltung gezeigt und gleichzeitig so viel Herz bewiesen wie dieses hier. Und ja, vielleicht spielt mein persönlicher Nostalgie-Anteil ’ne Rolle. Aber selbst wenn man den komplett rausrechnet: Dieses Album ist einfach eine Maschine. Dort haben Saltatio Mortis richtig abgeliefert! Fast 10 Jahre später hauen sie mit „Finsterwacht“ wohl noch so eine Platte raus. Nun das sehen wir spätestens in 2034….

 

Tracklist:

01 – Wo sind die Clowns?
02 – Wilkommen in der Weihnachtszeit
03 – Nachts weinen die Soldaten
04 – Des Bänkers neuer Kleider
05 – Maria
06 – Wir sind Papst
07 – Augen zu
08 – Geradeaus
09 – Erinnerung
10 – Trinklied
11 – Rattenfänger
12 – Todesengel
13 – Vermessung des Glücks
14 – Abschiedsmelodie
15 – Gossenpoet
16 – Mauern aus Angst
17 – Gaudete

 

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