
Bericht: Tim Karow
Bilder: Jörg Schnebele/JSPics
Neuer Tag, neues Glück! Schon am Morgen sah man den ein oder anderen Pfandstapel. Mit Stapel meine ich mindestens 500 Bierdosen, fein säuberlich aufeinandergestapelt. Auch der ein oder andere Promillezustand machte sich bemerkbar. Eine Französin zog von Camp zu Camp und motivierte die Leute mit den Worten: „Scream for me ! “ . Und tatsächlich, es funktionierte. Überall wurde lautstark zurückgeschrien.
Auch neue Freunde hat man gefunden. Vielen Dank an Chris und Nils, mit denen ich die Festivaltage verbringen durfte! Grüße gehen nach Trier!

Desaster
Direkt in die Fresse begann der Tag mit der Black-/Thrash-Metal-Band Sadistic Goatmessiah. Erstens: was ein geiler Name. Zweitens: wow. Ich hätte nicht gedacht, dass einem schon zur Mittagszeit so die Fresse eingetreten wird, aber ich liebe es. Besonders Bassistin Goatess of Fire hat mich überrascht und für hat allen die Show gestohlen.
Mit Black Metal über Witchcraft, Mittelalter und Horror ging es anschließend mit Dungeon Keeper aus Osnabrück weiter. Die waren richtig stark. Archaic Tormentor, allein der Name ist schon super, klang live genial.
Danach wurde es mit Exxecutor noch etwas schneller. Wer Bands wie Hellripper feiert, wird hier definitiv glücklich.
Nach den ersten Bands war erst einmal eine kurze Trinkpause angesagt. Dies kam in Form eines Tequila Sunrise. Bei der Hitze musste schließlich auch auf die Hydration geachtet werden. Hydration ist wichtig, Freunde!
Auch wenn die bisherigen Bands durchweg klasse waren, konnte ich mit Ritvs leider nicht ganz warm werden. Das liegt aber eher an mir, denn Kraut- und Heavy Rock gehören nicht unbedingt zu meinen Lieblingsgenres. Trotzdem hatte dieser starke 70er-Jahre-Sound definitiv seinen Charme.
Aus Gelsenkirchen reiste anschließend Iron Kobra an. Mit klassischem Heavy Metal macht man selten etwas falsch. Die Jungs hatten sichtbar Spaß, jede Menge Energie, und ich genauso. Definitiv eine Empfehlung! An manchen Stellen fühlte ich mich an Thor aus Kanada oder Running Wild erinnert.

Metal Inquisitor
Direkt danach spielte Chapel of Disease aus Köln. Die Band kannte ich vorher nicht, aber Death Metal aus Köln? Ja, bitte! Laurent Teubl an der Gitarre war wie immer eine Klasse für sich.
Beim ACFM hatte ich Desaster bereits einmal gesehen. Damals haben sie mich nicht komplett überzeugt, deshalb war ich gespannt auf den zweiten Versuch. Und was soll ich sagen? Was hatten die Bock! Sänger Sataniac animierte das Publikum durchgehend zum Mitmachen, mit Erfolg. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass man manchen Bands unbedingt eine zweite Chance geben sollte.
Passend zur Primetime wurde es richtig besonders. Metal Inquisitor feierten ihr Comeback. Für viele der Headliner des Tages, und völlig zurecht. Nach fünf Jahren standen sie endlich wieder auf der Bühne und lieferten klassischen Heavy Metal vom Feinsten. Wer dabei nicht headbangen konnte, war vermutlich auf dem falschen Festival. Schön sie zu sehen, schön, dass sie wieder da sind. Alles Gute an Metal Inquisitor!
Aus Mailand kam anschließend die Speed-/Thrash-/Black-Metal-Legende Bulldozer. Immerhin gibt es die Band schon seit 1980. Das ist älter als mein Vater, haha. Zeitlos trifft es wohl am besten. Man muss diese Band einfach einmal live gesehen haben, um sie richtig würdigen zu können. Den Mantel des Sängers hätte ich allerdings auch gerne gehabt. Schade, dass Redakteur Tim B. keinen aus seinem Mailand-Trip vor kurzem mitgebracht hat Grazie. Tim!

Blaze Bayley
Bevor es um 22:45 Uhr mit meinem persönlichen Highlight losging, ging für mich bereits ein kleiner Traum in Erfüllung. Kurz vor seiner Show bekam ich noch die Gelegenheit, ein gemeinsames Foto mit Blaze Bayley zu machen. Ein unglaublich sympathischer Typ, total bodenständig und mit einem Händedruck, der seinem Metal-Ruf alle Ehre macht. ( Und mir die Hand brach) Vielen Dank an Nils, der den Moment mit dem Foto festgehalten hat !
Um 22:45 Uhr war es dann endlich so weit. Mein persönliches Highlight betrat die Bühne. Blaze Bayley spielte sein Iron-Maiden-Anniversary-Set. Der Klassiker „Doctor Doctor“ von UFO bildete das Intro, bevor es direkt mit „Lord of the Flies“ vom Album „The X Factor“ aus dem Jahr 1995 losging.
Das Publikum war vom ersten Ton an textsicher. Beim Refrain von „Lord of the Flies“ wurde so laut mitgesungen, dass ich Chris Appleton und die Musiker von Absolva zeitweise kaum noch hören konnte.
Als Ausnahme zwischen den vielen Iron-Maiden-Klassikern spielte Blaze seinen Solo-Song „Born as a Stranger“. Doch auch hier ließ ihn das Publikum nicht im Stich und sang jede Zeile mit.
Wer dachte, das wäre es gewesen, hatte sich gewaltig geirrt.
Mit dem monumentalen „Sign of the Cross“, bei dem sogar die Gitarren- und Bassmelodien vom Publikum nachgesungen wurden, folgte direkt „The Clansman“, bei dem das gesamte Festival lautstark „Freedom!“ brüllte.
Die Crème de la Crème kam für mich mit „Man on the Edge“. Eine absolute Weltklasse-Setlist. Bis heute habe ich das Echo von „Falling Down!“ des Refrains im Kopf.
Besonders emotional wurde es, als Blaze sich mit einer langen Ansprache bei seinen Fans bedankte. Er sprach über die Unterstützung während seiner Zeit bei Iron Maiden, seinen damaligen Auftritt beim Detze, seine Solokarriere und darüber, wie viel ihm dieser Rückhalt bedeutet. Gerade nach seinem Herzinfarkt im Jahr 2023 hätten ihn die Fans nie im Stich gelassen und ihm geholfen, weiter Musik machen zu können. Seine Zukunft konnte wahr gemacht werden !
Mit diesen Worten leitete er „Futureal“ ein. Als das gesamte Festival „What is real? Futureal!“ mitsang, bekam ich eine echte Gänsehaut. Einer dieser Festivalmomente, die man nie vergisst.
Mit „The Angel and the Gambler“ näherte sich das Konzert langsam dem Ende. Obwohl die Spielzeit eigentlich schon vorbei war, legte Blaze noch „Wrathchild“ nach. Ein ganz besonderer Moment: Ursprünglich von Paul Di’Anno gesungen, später der Song, mit dem sich Bruce Dickinson einst bei Iron Maiden bewarb, und nun stand Blaze Bayley damit auf der Bühne. Das Publikum rastete komplett aus.
Zum wiederholten Mal tippte mich während des Konzerts eine fremde Person an und sagte einfach nur: „Mann, ist das schön.“
Mit einem Cover von „Doctor Doctor“ endete schließlich eine unglaubliche Show unter tobendem Applaus.
Für mich ging damit ein echter Traum in Erfüllung. Wenn Blaze irgendwann noch „Don’t Look to the Eyes of a Stranger“ live spielen würde, wäre mein Glück vollkommen, aber das ist vermutlich doch etwas zu viel verlangt.
Fazit: Zusammenfassend war der zweite Festivaltag einfach großartig. Viele nette Menschen, neue Freundschaften, fantastische Bands und eine Stimmung, wie man sie sich auf einem Metalfestival nur wünschen kann. Auch Preise und Angebote waren absolut fair.
Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr!
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