Der Detze Rockt 2026 – Tag 1 – 19.06.2026 – Detzenberg Daun-Rengen

Bericht: Tim Karow
Bilder: Jörg Schnebele/JSPics

Seit 2011 findet in Daun-Rengen der Detze Rockt statt. Ein kleines aber feines Festival in Vulkaneifel. Wenn man an Eifel und Festivals denkt, denkt man direkt an das große Rock am Ring beim Nürburgring. Und dann gibt es Der Detze Rockt. Ein Festival in einem kleinen Eifeldorf, das man beinahe übersehen würde. Selbst zu klein für Google Maps !  Rund 750 Besucher, keine übertriebene Kommerzialisierung, dafür jede Menge Kutten, ehrliche Metalheads und eine Atmosphäre, wie sie nur kleine Underground-Festivals schaffen, machten Ende Juni ihren halt in der Eifel.

Lynx

Schon die Anreise verlief problemlos. Wer früh genug da war, fand ohne Schwierigkeiten einen Parkplatz. Am Einlass gab es direkt das Festivalbändchen. Für mich etwas fester geschnürt als nötig, aber sicher ist sicher. Anschließend ging es aufs Gelände.

Schnell wurde klar, dass es den Besuchern an nichts fehlen würde. Zwischen Merchständen der Bands, Festival-Shirts, Vinyl, CDs, Kassetten und einer großen Auswahl an Patches konnten Sammler und Kuttenliebhaber ordentlich zuschlagen. Auch kulinarisch blieb kein Wunsch offen: Burger, Pommes, Crêpes, asiatische Spezialitäten und sogar kostenloses Trinkwasser standen bereit. Dazu gab es hervorragende Cocktails (der Bahama Mama entwickelte sich schnell zu meinem persönlichen Favoriten) . Selbst an die Raucher wurde gedacht: Direkt am Eingang konnten Zigaretten gekauft werden.

Das absolute Highlight abseits der Musik war allerdings der große Pool mitten auf dem Infield. Bei Temperaturen von bis zu 41 Grad war das die wohl beste Idee des gesamten Wochenendes. Während andere Festivals unter der Hitze litten, konnte man sich hier einfach zwischendurch abkühlen und anschließend wieder vor die Bühne stellen.

Den musikalischen Auftakt machten MAJAK aus Neumünster. Die Band entzieht sich jeder klaren Genrezuordnung und beschreibt ihre Musik selbst als „genrelose Kunst“. Zwischen Heavy Rock, düsteren Atmosphären und okkultem Flair lieferten Wild Eye, Hammersmith, Rippe und Al Punchino einen gelungenen Festivalstart. Kein spektakulärer Abriss, aber genau die richtige Einstimmung auf das, was noch folgen sollte. 

Mit LYNX nahm das Festival zunächst weiter Fahrt auf. Doch mitten im Set zog plötzlich ein heftiges Unwetter auf. Blitze und starker Regen machten eine sofortige Evakuierung des Geländes notwendig. Für einen Moment stand die Frage im Raum, ob der erste Festivaltag überhaupt noch fortgesetzt werden könnte. Die Veranstalter reagierten jedoch besonnen und informierten die Besucher regelmäßig über den aktuellen Stand. Nach rund einer Stunde dann die erlösende Nachricht: Es geht weiter. Um den Zeitplan halbwegs einzuhalten, wurden die folgenden Auftritte entsprechend verkürzt.

Attic

Nach der Unterbrechung standen Midnight Prey auf der Bühne. Ganz reibungslos verlief der Auftritt allerdings nicht. Sänger und Gitarrist Winston kämpfte permanent mit seiner Gitarre, deren Saiten unter den schwierigen Wetterbedingungen mehrfach rissen. Trotz dieser technischen Probleme ließ sich die Band nicht aus der Ruhe bringen und spielte ihr Set souverän zu Ende.

Mit Attic wurde es anschließend theatralisch. Fans von King Diamond oder Mercyful Fate kamen hier voll auf ihre Kosten. Düsteres Bühnenbild, okkulte Atmosphäre und klassischer Heavy Metal verschmolzen zu einer eindrucksvollen Show, die nicht nur musikalisch, sondern auch optisch zu den Highlights des Tages gehörte.

Einer meiner persönlichen Höhepunkte war der Auftritt der norwegischen Black-Thrash-Legenden Aura Noir. Trotz gesundheitlicher Einschränkungen saß Frontmann Aggressor während des gesamten Konzerts auf einem Stuhl. Seiner Bühnenpräsenz schadete das jedoch überhaupt nicht. Während er seine giftigen Vocals ins Publikum schleuderte, tobten vor der Bühne die Moshpits ohne Unterlass. Es war Roh, es war dreckig und kompromisslos. Genau so muss Black Thrash Metal klingen !

MIdnight

Den Abschluss des ersten Tages bildeten Midnight, die ihren räudigen Mix aus Punk, Speed und Black Metal mit einer gehörigen Portion Wahnsinn auf die Bühne brachten. Doch was dann geschah, hatte wohl niemand erwartet.
Schon nach wenigen Songs flogen die ersten leeren Plastikbecher auf die Bühne. Anstatt sich darüber zu beschweren, kommentierte Frontmann Athenar trocken: “Please keep throwing these cups, we’re getting rich!”Das Publikum verstand den Humor sofort, und begann noch mehr Becher zu werfen.
Kurzerhand biss Athenar einen der Becher durch seine Maske, bevor er einen besonders engagierten Fan auf die Bühne holte. Dessen Aufgabe: die Becher zurück ins Publikum zu werfen. Die Rechnung ging allerdings nicht ganz auf.Der arme Kerl wurde innerhalb weniger Sekunden mit deutlich mehr Bechern beworfen, als er überhaupt zurückwerfen konnte. Die komplette Menge lag vor Lachen am Boden, während die Band ungerührt weiterspielte. Genau solche ungeplanten Momente machen kleine Festivals einzigartig.
So gelungen der erste Tag auch verlief, einen kleinen Verbesserungsvorschlag gibt es dennoch.

Die Veranstalter stellten bei den extremen Temperaturen kostenloses Trinkwasser zur Verfügung . Das ist eine großartige und absolut richtige Entscheidung. Allerdings war die Nachfrage so groß, dass die drei Zapfhähne kaum hinterherkamen. Immer wieder waren die Wasserbehälter leer, wodurch längere Wartezeiten entstanden. Mit ein oder zwei zusätzlichen Wasserstellen ließe sich dieses Problem künftig sicher leicht lösen.

Fazit: Trotz der wetterbedingten Unterbrechung war der erste Tag von Der Detze Rockt 2026 ein voller Erfolg. Die entspannte Atmosphäre, die hervorragende Organisation, die Nähe zu den Bands und zahlreiche besondere Momente machten deutlich, warum dieses Festival seit Jahren als Geheimtipp der deutschen Underground-Szene gilt.

Nach diesem ereignisreichen Auftakt war die Vorfreude auf den zweiten Festivaltag größer denn je. Wenn der genauso gut werden sollte, stand einem unvergesslichen Festivalwochenende nichts mehr im Weg.

Mehr Infos:

Facebook

 

Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.