
© Degrave
Geschrieben von: Tim Karow
Band: Degrave
Album: Metalithic
Genre: Thrash Metal
Plattenfirma: Horror Pain Gore Death Productions
Veröffentlichung: 27.09.2025
Mit „Metalithic“ zementieren Degrave ihren Status als eine der kompromisslosesten und gleichzeitig wandlungsfähigsten Formationen im extremen Metal-Untergrund. Zwischen Thrash, Groove, Industrial und harschem Death Metal feuern sie ein neunteiliges Inferno ab, das inhaltlich wie klanglich mit der Abrissbirne durch die Gegenwart marschiert.
Degrave machen von Anfang an klar: Metalithic ist keine Einladung zum Eskapismus. Es ist ein wütender Kommentar zur kollektiven Desensibilisierung, zur postfaktischen Dauerkrise, zur politischen Farce. Tracks wie „Lockdown“ oder „Abort the Court“ lassen keinen Zweifel daran, dass die Band den Finger tief in die Wunden legt, musikalisch wie textlich.
Der Sound ist messerscharf produziert, ohne seine organische Brutalität zu verlieren. Fette, teils maschinenhafte Riffs treffen auf groovige Midtempo-Breaks, Blastbeats und aggressive Shouts, die von einer fast Industrial-artigen Sterilität plötzlich in rohen Wahnsinn umkippen.
Ein kompromissloser Einstieg macht „Ursurper of Flame“. Die Band schmettert einen brutalen Thrash-lastigen Riff-Angriff mit fast martialischer Präzision. Textlich eine apokalyptische Machtdemontage, religiöse oder politische Herrscher brennen im selbstgelegten Feuer. Der Titel lügt nicht. Hier wird übernommen, zerstört, neugeboren. Direkt danach folgt ein experimenteller Track mit Industrial-Vibes und pulsierendem Rhythmus. Der Refrain wirkt fast mechanisch, wie eine seelenlose Hymne auf das Mensch-Maschine-Dilemma.
Der Titel „Sing in the Body Electric“ ist eine Referenz an Walt Whitman/Ray Bradbury, hier düster uminterpretiert. Aggression pur ist das Motto von „Every Fucking Day“. Der Song ist ein vertonter Nervenzusammenbruch: brüllende Vocals, drückender Groove, nihilistische Lyrics über den täglichen Überlebenskampf im Dauerzustand. Ein Hasslied auf Routine, Depression. „Lockdown“ ist ein Song wie eine Rückblende ins Pandemiezeitalter paranoide Texte, dichtes Drumming, hektisch-zitternde Riffs. Der Mittelteil bricht plötzlich in eine fast disharmonische Stille, als würde der Strom ausfallen, nur um dann mit einem brutalen Breakdown zurückzuschlagen. „Abort the Court“ ist klar politisch, ohne plump zu sein. Wut auf korrupte Institutionen, auf Ungerechtigkeit im Namen der Ordnung. Ein Song, der mit der Wucht einer Abrissbirne durch Justiz und Machtmissbrauch pflügt. Groovig, direkt, voller zorniger Hooks.
Track Nummer 6 ist „Living in the Smokescreen“. Atmosphärisch dichter Song, der Verschwörung, Medienkritik und Informationskrieg vertont. Der Gitarrensound wirkt hier leicht dissonant, wie durch einen Filter – passend zum Thema. Ein kontrollierter, fast paranoider „Ignis Accendere“. Lateinisch für „das Feuer entfachen“ und genau das passiert. Einer der melodischeren Songs mit hymnischer Atmosphäre, fast schon sakraler Stimmung. Der Aufbau ist dramatisch, die Produktion klingt hier besonders warm.
Direkt passend folgt „Burn up the Sky“. Schnell, rotzig, thrashig, hier fliegen die Fetzen. Der Song schreit nach Live-Pit. Textlich eine apokalyptische Vision von Klimakatastrophe, Feuersturm und kollektivem Untergang. Den Schlussstein macht „Death is“. Doomig, schleppend, mit schwerer Atmosphäre. Ein Abgesang auf das Menschsein, auf Individualität, auf den Sinn. Die Vocals sind hier besonders verzweifelt, fast flehend.
„Metalithic“ ist ein Faustschlag mit intellektuellem Unterbau. Ein Album, das sich nicht anbiedert, sondern frontal angreift. Degrave liefern kein Feel-Good-Metal, sie liefern ein Statement: zur Welt, zum System, zum Selbst. Wer Eskalation mit Substanz sucht, findet sie hier.
Ich vergebe 8 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist :
01 – Usurper of Flame
02 – Sing in the Body Electric
03 – Every Fucking Day
04 – Lockdown
05 – Abort the Court
06 – Living in the Smokescreen
07 – Ignis accendere
08 – Burn up the Sky
09 – Death is
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