
© Deftones
Geschrieben von: Tim Karow
Band: Deftones
Album: Private Music
Genre: Alternative Metal
Plattenfirma: Reprise Records / Warner Bros. Records
Veröffentlichung: 22.08.2025
Der Blick auf die Deftones wirkt derzeit widersprüchlich. Auf der einen Seite stehen die letzten beiden Alben “Gore” (2016) und “Ohms” (2020), die bei vielen Fans nicht die erhoffte Wucht entfalten konnten und deshalb bis heute kritisch gesehen werden. Auf der anderen Seite erlebt die Band aktuell einen unerwarteten Popularitätsschub. Dank viraler Tiktok-Momente haben vor allem Songs wie “Cherry Waves” eine neue, junge Hörerschaft erreicht. Frontmann Chino Moreno bemerkte kürzlich selbst, dass die Gruppe womöglich so gefragt sei wie nie zuvor, ganz ohne eigene Social-Media-Offensive. Vielleicht passt es einfach ins Bild, dass die Generation Z eine besondere Faszination für die späten Neunziger und die frühen 2000er hegt, eine Zeit, in der Musik noch entschleunigter wirkte und nicht permanent digital verfügbar war.
Die Frage liegt auf der Hand: Hat dieser neue Zuspruch den Deftones auch im Studio Auftrieb verliehen? Hoffnung darauf machten bereits ihre starken Festivalauftritte im Sommer, bei denen die Band vitaler und konzentrierter wirkte als seit Langem. Auch die Vorabsingle “My mind is a mountain” ließ aufhorchen. Sie ist wuchtig, treibend und ganz im Geiste der Hochphase um die Jahrtausendwende. Und tatsächlich: Mit ihrem neuen Album “Private Music” gelingt den Kaliforniern der ersehnte Befreiungsschlag.
Songs wie “infinite source”, “Locked club” oder “Milk of the madonna” greifen auf all das zurück, was den Sound der Band immer unverwechselbar gemacht hat: markante Riffs, ein tiefergelegter Bass und präzise Drumarbeit, kombiniert mit der subtilen Verankerung im Nu Metal. Das Ergebnis klingt unverkennbar nach den Deftones. Chino Moreno präsentiert sich dabei in starker Form. Melodien wie in “Souvenir” zeugen davon. Dabei singt er weniger von jugendlicher Wut, sondern wirkt reifer, nachdenklicher und in sich ruhender, was den Stücken eine neue emotionale Tiefe verleiht.
Natürlich darf auch die dichte, drückende Atmosphäre nicht fehlen, die seit jeher über der Musik der Band liegt. Stücke wie “ I think about you all the time” oder “Departing the body” tragen entscheidend dazu bei. Das Album entfaltet dabei eine Dynamik, die man bei den Deftones lange vermisst hat: Nach einem starken Einstieg steigert sich “Private Music” kontinuierlich und baut eine immer größere Wucht auf, die den Hörer bis zum Ende nicht loslässt.
Vergleiche mit den Meilensteinen “Around The Fur” und “White Pony” verbieten sich zwar, doch ist “Private Music” ohne Frage das stärkste Werk der Band seit 15 bis 20 Jahren. Es gelingt dem Quintett, die Brücke zu schlagen: Die älteren Fans finden endlich wieder den vertrauten Sound, während die jüngeren die Ästhetik der Neunziger in frischer Form erleben können. Ein Album, das Generationen vereint und die Deftones wieder da positioniert, wo sie hingehören, ganz vorne.
Ich vergebe „Private Music“ 9 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist:
01 My mind is a mountain
02 Locked club
03 Eecdysis
04 Infinite source
05 Souvenir
06 CXz
07 I think about you all the time
08 Milk of the madonna
09 Cut hands
10 Metal dream
11 Departing the body
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