Geschrieben von Oliver Heberling
IronFest Open Air // 28. – 30. Mai 2026. Die rheinland-pfälzische Rock-Festival-Saison ist eingeläutet. Noch bevor in den kommenden Tagen das größte Festival im Norden des Bundeslands bei voraussichtlich durchwachsenerem Wetter alle Augen auf sich zieht, hatten szenekundige Freunde härterer Spielarten bereits am letzten Woche auf dem IRONFEST in der Pfalz die Chance auf drei Tage geballten Metal – bei herausragenden Temperaturen und nur ganz leichten Regenansätzen.
Mit seiner bereits sechsten Ausgabe hat sich das IRONFEST bei jährlich schätzungsweise rund 1.000 Besuchern ein stabiles Stammpublikum erarbeitet. Ich selbst war seit Ausgabe Nummer 3 in jedem Jahr dort und treffe stets bekannte Gesichter, die ich dank des Festivals kenne. Die familiäre Atmosphäre am wunderschönen Ohmbachsee lädt unabhängig vom jedes Jahr bestechenden Line-Up zum Szenetreff ein – neben den Besuchern auch Künstler die zum Teil das gesamte Wochenende vor Ort verbrachten und sich unters Volk mischten.
Jedes Jahr IRONFEST brachte bisher schrittweise Veränderungen mit sich. Vom bahnbrechenden Bühnenumbau, der nicht nur eine größere Bühne sondern auch ein Gelände größtenteils im Schatten ermöglicht, bis zu veränderten Spielzeiten in diesem Jahr: So bekam jede der insgesamt 17 Bands die Möglichkeit, eine Stunde lang ihre Musik zu präsentieren. Das bringt Vor- und Nachteile unter anderem beim Bandbooking mit sich, die bereits jetzt in einschlägigen Foren diskutiert werden. Konstanten wiederum bieten die für ein solch kleines Festival unschlagbare Infrastruktur (auch dank eines nahegelegenen Campingparks) und der Sportverein, der sich um Getränke und (regionale) Verpflegung, wie Saumagen-Burger, kümmert. All das macht das IRONFEST zu einer liebevoll ehrenamtlich organisierten Institution in unserer vielfältigen Festival-Landschaft, bei der sich auch gestandene Headliner nicht lumpen lassen, sich zur Erinnerung ein Festival-Shirt am Merch zu kaufen.
Donnerstag, den 28. Mai. Das Festival-Opening machte mit den ENDTIME PROPHETS ein Local-Act. Mein Opening beging nach Anreise, Camp-Aufbau und Bändchenausgabe mit TRANCE eine rheinland-pfälzische 80er-Jahre-Metal-Institution. Leider kam der Auftritt etwas durchwachsen daher: Ihr kürzlich auch wieder bei Bonfire eingestiegener Sänger Alexx Stahl wirkte für seine Verhältnisse angeschlagen und musikalisch fehlte es an Bumms. Da wäre mehr drin gewesen.
„Heimlicher“ Headliner, wenn auch noch nicht letzter Act des Eröffnungstags waren dann definitiv STEELPREACHER. Bei ihrer Show zum 25-jährigen Band-Jubiläum gaben die Koblenzer Vollgas. Der Textschwerpunkt der Band mit Fokus auf Metal und Bier wurde mit zwei Roll-Ups mit STEELPREACHER-Bierdosen drauf untermalt. Soundtechnisch war der Auftritt zwischen „Gimme some metal“ und „Wish you were beer“ von vorne bis hinten hervorragend und weckte beim Publikum vor allem Jugend-Erinnerungen. Gekrönt wurde die Bühnenshow durch einen Gast-Auftritt von DJ BENNE, der im Verlauf des Festival-Wochenendes stets mit einer Metal-Disco die Abende beendete und Freitags und Samstags mit Metal-Karaoke den Tag begann.
Das Abschluss-Konzert des Abends gab mit WARRANT der erste überregionale Act. Die Düsseldorfer boten alles, was das Speed Metal Herz höher schlagen lässt. Seit mehr als 40 Jahren sind sie als Vollstrecker ordnungsgemäßen Headbangings und Luftgitarren-Spiels unterwegs. Als Teil der Bühnenshow schaute hierzu auch der „Enforcer“ vorbei und schwang sein Henkersbeil. Alles in allem eine tolle German-Metal-Zeitreise zum Festival-Auftakt.
Freitag, den 29. Mai. Den heißesten Festival-Tag eröffnete mit THE DEVIL WEARS NADA der erste internationale Act. Hitzebedingt ließ ich die Band mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen und Nestor-Einschlag noch ausfallen, um meine Kräfte besser über den Tag einzuteilen. Die AOR-Truppe um ex-Screamer-Bassist Fredrik Svensson Carlström hinterließ aber beim Publikum einen starken Eindruck und kann anhand der verkauften T-Shirts als Überraschungsact des Tages gelten.
Mein persönliches Tages-Highlight gab es dann im direkten Anschluss mit MEGATON SWORD. Mit zwei Alben und einer EP im Gepäck konnten die Schweizer Epic-Metaller viel aus ihrem Katalog darbieten. Der druckvolle Sound und eine starke Performance von Sänger Uzzy Unchained verwandelten das Gelände in ein Fäustemeer, insbesondere bei ihrem absoluten Banger „Blood hails steel – steel hails fire“.
Nachdem die Belgier CYCLONE zum BeNe(ohne)Lux-Intermezzo am Festival-Freitag mit einem großen Circle-Pit nach dem anderen das Gelände vor der Bühne freiräumten, kam mit VENGEANCE aus den Niederlanden eine etwas gediegenere Power Rock-Institution. Ein sympathischer Auftritt, dem trotz cooler Hardrock-Partysongs wie „Arabia“ ein wenig die Energie fehlte. Die nicht mehr ganz so jungen Jungs um Mastermind Leon Goewie hatten aber sichtlich Spaß und übertrugen ihn auch aufs Publikum, dem die „Rock ’n‘ Roll Shower“ bei all der Hitze definitiv guttat.
Die nachfolgenden ANGEL WITCH sind eine der Pionierbands der New Wave of British Heavy Metal. Mich haben sie aber bis heute kaum catchen können, weder auf Platte, noch bei bereits zwei vorherigen eher schwachen Live-Auftritten. Der Gig beim IRONFEST wird mir dennoch in positiver Erinnerung bleiben: Die Band brachte ihre gefeierten Hits „Angel of death“ und „White witch“ überraschend gut rüber. Der mit elf Millionen Spotify-Klicks mit Abstand bekannteste Song – die Bandhymne „Angel witch“ – holte die Menge wie immer am meisten ab. Das absolute Highlight gab es für mich aber mit dem genialen Instrumental „Dr. Phibes“, einer B-Seite der 1981er-Single „Loser“, zu hören.
Ein anstrengender Festival-Tag hatte schon seine Spuren hinterlassen, als FLOTSAM AND JETSAM die Bühne betraten. Entsprechend habe ich von Müdigkeit geplagt nur einen anfänglichen Teil des Gigs noch mitbekommen. Hier hat die am weitesten angereiste Band aus Phoenix, Arizona aber vollends überzeugt und ihre tighten Songs in Top-Qualität mit schicker Bühnenshow dargeboten.
Samstag, den 30. Mai. Der Opener für den finalen Festival-Tag hätte besser nicht besetzt werden können. BLIZZEN gehören für mich persönlich in einen noch viel späteren Slot. Und mit dieser Meinung schien ich auf dem bereits sehr gut gefüllten Gelände nicht allein zu sein. Viele hatten sich in der Mittagssonne ganz vorn an der Bühne eingefunden, um neben gesetzten Klassikern wie „Strike the hammer“ und „Time machine“ auch die Songs von der neuesten Platte Metalectric abzufeiern. Die Spielfreude der Band zwischen Speed und klassischem Heavy Metal und der Top Gesang von Daniel Steckenmesser gehört nach über zehn Jahren längst auf größere Bühnen. Als besonderes Highlight stieg Gitarrist Marvin Kiefer mit einem Funkmikro von der Bühne und ließ die vorherige Metal-Karaoke zum Refrain von „Gone Wild“ im Publikum noch etwas weiterlaufen.
ANGEL SWORD aus Finnland hatten es nach diesem Mega-Auftakt sichtlich schwer mitzuhalten. Die Stimmung im Publikum war deutlich verhaltener, was auch an technischen Problemen und arg langen Pausen zwischen den einzelnen Liedern lag. Der Musik selbst tat das keinen Abbruch: Die klassische Heavy Metal Formation ist meine Neu-Entdeckung des Wochenendes. Ihre Top-Songs „Vigilantes“, „Neon City“, „Weekend Warrior“ und „Lightning Runners“ laufen seitdem bei mir rauf und runter.
Nach dem energiegeladenen Auftakt galt es während den mir unbekannten SACROSANCT und THE GEMS nochmal den Akku aufzuladen für die immer epischen ATLANTEAN KODEX. Gelegenheiten hierzu bieten sich neben dem Festplatz auch am nahegelegenen Campingpark Ohmbachsee, bei dem es neben der Möglichkeit Mobile Homes oder Fässer anzumieten auch Speisen und Getränke gibt. Ebenso lädt der Kiosk mit Wasserspielplatz und Tretboot-Verleih in der Nähe des Festival-Geländes zum Verweilen oder einem kleinen Ausflug auf den See ein. Das IRONFEST lebt neben all den guten Bands und seiner Spitzen-Orga einfach auch vom wunderbaren Drumherum!
ATLANTEAN KODEX sind längst absoluter Kult und könnten schon allein aufgrund der Länge ihrer Songs eine deutlich längere Spielzeit als 60 Minuten vertragen. Das hat sich auch beim ersten Auftritt mit ihrem neuen Live-Gitarristen Markus Ullrich von Them, der (vorerst) Manuel Trummer ersetzt, nicht geändert. Ein Epos jagt das Nächste, der Mitsing-Faktor ist bei kaum einer Band trotz vergleichbar komplizierter Texte so hoch. Und eine Stunde später fragt man sich, warum nicht noch Zeit für fünf, sechs weitere Klassiker ist, denn die Setlist bei KODEX-Konzerten ist dann doch recht festgelegt auf die unumgänglichen Hymnen. Mit „The pattern under the plough“ boten die Oberpfälzer dann aber auch am Ohmbachsee wieder ihren ersten Track vom noch unfertigen Album Nummer 4, das seit nunmehr sieben Jahren auf sich warten lässt. Bis dahin feiern wir einfach weiter gemeinsam zu Klassikern wie „Sol Invictus“, „Heresiarch“ und der band-eigenen Hymne. Denn der KODEX ist der KODEX und der KODEX geht immer!
BENEDICTION live hatte ich zuvor in zwiegespaltener Erinnerung behalten. Beim Neuborn Open Air Festival 2019 mussten sie aufgrund von Flugproblemen ihren Auftritt fast absagen und konnten ihn nur in verkürzter Form sehr verspätet nachholen. Dafür konnten die Engländer natürlich nichts, der verkürzte Auftritt kam damals dann aber leider auch sehr altbacken und mau daher. Ganz anders als in diesem Jahr. Kurzfristig musste Sänger Dave Ingram leider aus gesundheitlichen Gründen das Mikro niederlegen. Um die angekündigten Auftritte trotzdem wahrnehmen zu können, wurde Dave Hunt aktiviert, der bereits von 1998 bis 2019 Sänger der Band war. Dieser Kurzfristigkeit war womöglich auch das viele Gerede geschuldet, ansonsten lieferten BENEDICTION mit prallem Sound und fetter Show mächtig ab.
Pünktlich um 23 Uhr wagten sich dann die Frankfurter Teutonic-Thrash-Ikonen TANKARD im „Lautrer Feindesland“ auf die Bühne, um einen bierseligen Schlussstrich unter das IRONFEST 2026 zu setzen. Neben gewohnten Bier-Klassikern kam auch der TANKARD-Über-Song „Rapid fire (a tyrant´s elegy)“ natürlich nicht zu kurz. Ein sehr kurzweiliger Auftritt, der dazu einlud ein letztes Mal die Oldschool-Thrash-Mähnen zu schütteln und die letzten Bierkrüge zu leeren. Mit vollem Erfolg entlassen TANKARD ein glückliches Publikum in einen „Morning after“ voll wunderbarer Erinnerungen und Vorfreude aufs nächste Jahr.
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