Daron Malakian and Scars On Broadway – Addicted To The Violence

© Daron Malakian and Scars On Broadway

 

Geschrieben von : Tim Karow
Band:
Daron Malakian and Scars On Broadway 
Album: Addicted To The Violence
Genre : Alternative Metal / Psychedelic Rock / Post Punk / Industrial
Plattenfirma : Interscope Record
Veröffentlichung : 18.07.2025

 

Sieben Jahre nach dem letzten Lebenszeichen kehrt Daron Malakian and Scars On Broadway mit „Addicted To The Violence“ zurück, und das klingt exakt so, wie man es von einem der schrägsten und zugleich kompromisslosesten Songwriter des Metal-Zirkus erwartet: wirr, rotzig, sarkastisch, politisch, verzerrt und vollkommen frei von klassischen Erwartungshaltungen.

Der Opener „Killing Spree“ ballert direkt los mit einem Riff, das klingt wie eine aufgetaute B-Seite von „Toxicity“ oder wenn man es genau sehen möchte „Steal this Album!“aber mit mehr Noise und Dreck im Klangbild. Daron nuschelt sich durch anti-militärische Verse, bevor der Refrain in psychedelischer Dissonanz explodiert. Der Sound ist roh, rau und doch absolut durchdacht. Es klingt nicht perfekt und soll es auch nicht. 

„Satan Hussein“ ist ein brillanter Songtitel und ein noch besseres Stück Anti-Propaganda , irgendwo zwischen Punkrock-Riffing, orientalischen Skalen und bizarren Background-Vocals. Hier tobt sich Malakian in typischer Manier aus. Es ist verspielt, aber bitterböse. Der Song fühlt sich an wie ein politischer LSD-Trip durch die Wüste, bei dem keine Fraktion verschont bleibt.

„Done Me Wrong“ geht etwas zurück in die Scars On Broadway-Anfangstage. Dieser Track ist Melodischer, fast schon poppig, aber eben mit dieser fatalistischen Grundnote, die sich durch das ganze Album zieht. Die Lyrics sind kryptisch, toxisch und gleichzeitig einnehmend. Daron singt nicht, er stöhnt, keift, wimmert sich durch den Song.

„The Shame Game“ ist ein absoluter Höhepunkt! Düster, monoton, fast wie ein musikalischer Albtraum. Industrial-artiger Rhythmus trifft auf post-punkige Leere, während Malakian von Schuld, Manipulation und gesellschaftlichem Versagen singt. Dieser Song ist das moralisch verrottete Rückgrat des Albums.

„Destroy The Power“ bringt das Tempo zurück. Krachige Gitarren, chaotischer Aufbau, Noise-Attacken im Hintergrund, ein echter Kontrollverlust-Song. Inhaltlich ein Aufschrei gegen Autoritäten, religiöse Machtstrukturen und wirtschaftliche Abhängigkeit. Keine subtilen Metaphern, sondern klare, rotzige Parolen.

Mit „Your Lives Burn“ folgt ein bewusst sperriges Stück. Es groovt, aber nicht eingängig. Es nervt, aber lässt einen nicht los. Wieder geht es um die persönliche und kollektive Selbstzerstörung. Der Sound wirkt wie mit Absicht falsch gemischt, Lo-Fi-Gitarren und ein hallender Beat wie aus einem alten Kassettenrekorder.

„Imposter“ geht voll in die Schizo-Schiene. Zwischen Gitarrenplucker und verstörender Stille baut sich ein Track auf, der musikalisch so instabil ist wie sein lyrisches Thema. Man merkt hier, wie sehr Daron Malakian auf Instinkt statt Regelwerk schreibt. Und das ist großartig. 

„You Destroy You“ nimmt das Thema des Vorgängers auf und führt es weiter. Es ist düster, fast schon nihilistisch, eine Art resigniertes Mantra. „Life just keeps moving‘away. So here’s to memories of yesterday, so simpel, so ehrlich. Musikalisch irgendwo zwischen Doom, Pop und Noise angesiedelt. Schwer zu greifen, aber extrem eindringlich.

„Watch That Girl“ könnte man als das „leichteste“ Stück bezeichnen, wenn man Wahnsinn als Pop definiert. Ironisch, leichtfüßig, und doch mit der gleichen sarkastischen Wut durchzogen wie der Rest. Daron zeigt hier seine Beatles-Verehrung durch einen psychedelisch angehauchten Refrain, der gleichzeitig beunruhigend.

Der Schlusspunkt und gleichzeitig das klangliche Manifest dieses Albums.
„Addicted To The Violence“ ist mehr der Titeltrack dieses Albums, und auch das Statement!  Ein wütender, zynischer, resignierter Spiegel der Welt, in der Gewalt längst Normalität ist. Daron singt, schreit, jault sich durch Zeilen wie „The Dragon calls you over, you’re wearing a big frown. She’s gonna take you down, she’ll take you down“und „Searching to be found. Burning to the ground.“, ohne einen Funken Pathos, sondern mit blanker Ernüchterung. Musikalisch ist der Song ein unheilvolles Biest. Es ist träge schleppend, mit einem wummernden, dröhnenden Groove, der sich wie ein hypnotischer Strudel aufbaut. Das Riff ist dreckig, verzerrt, kaputt. Der Gesang fast wie ein innerer Monolog. Es gibt keinen klassischen Refrain, keine Struktur, keine Erlösung. Nur Dissonanz. Und Wahrheit. Es ist der perfekte Abschluss für dieses Album. Er zersägt das Album am Ende in zwei Hälften und lässt nur Leere zurück

„Addicted To The Violence“ ist kein klassisches Album, sondern ein Manifest, voller Ironie, psychischer Fragilität und systemkritischer Wut. Daron Malakian zeigt, dass er nicht nur ein brillanter Songwriter ist, sondern auch ein unberechenbarer Kommentator einer kaputten Gesellschaft. Wer hier ein neues „Toxicity“ erwartet, wird enttäuscht. Wer aber offenen Herzens in ein durchgedrehtes, schmutziges, ehrliches Psyche-Metal-Album eintauchen will, bekommt eines der intensivsten Statements des Jahres.
Daron Malakian and Scars On Broadway haben sich mit der Platte „Addicted To Violence„ 8,5 von 10 Hellfire-Punkten .

 

Tracklist

01 Killing Spree
02 Satan Hussein
03 Done Me Wrong
04 The Shame Game
05 Destroy The Power
06 Your Lives Burn
07 Imposter
08 You Destroy You
09 Watch That Girl
10 Addicted To The Violence

 

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