Dark Angel – Extinction Level Event

© Dark Angel

 

Geschrieben von: Tim Karow
Band:  Dark Angel 
Album:  Extinction Level Event
Genre: Trash Metal
Plattenfirma: Reversed Records
Veröffentlichung: 05.09.2025

 

Es ist fast schon ironisch: Eine Band, die in den 80ern als einer der kompromisslosesten Vertreter des Thrash Metals galt, steht 2025 wieder auf der Bühne, nur diesmal mit einem Line-up, das alteingesessene Fans in die Zwickmühle bringt. Dark Angel 2025 sind Gene Hoglan, Ron Rinehart und Eric Meyer, allesamt vertraute Namen, aber eben nicht das Ur-Line-up, das damals We Have Arrived oder Darkness Descends geprägt hat. Und doch: Wenn jemand das Recht hat, den Bandnamen weiterzutragen, dann wohl die Musiker, die das Erbe am Leben halten.

Musikalisch ist Extinction Level Event genau das, was man erwartet, und gleichzeitig nicht mehr als das. Thrash Metal der alten Schule, technisch präzise, kompromisslos in seiner Attitüde, aber ohne den Biss, der einst aus Dark Angel eine Legende machte. Das Album klingt nach Erfahrung, nach handwerklicher Sicherheit, nach einem wütenden, aber kontrollierten Statement, das weniger die Vergangenheit glorifiziert, sondern versucht, sie in die Gegenwart zu retten.

Schon der Opener „Scarface The Room“ zeigt, dass Gene Hoglan am Schlagzeug noch immer eine Urgewalt ist. Das Doublebass-Feuerwerk treibt den Song nach vorne, während die Gitarren mit melodischer Präzision und klassischem Thrash-Groove glänzen. Ein Song, der sowohl Aggression als auch Struktur liefert, und vielleicht das gelungenste Stück des Albums darstellt. „Apex Predator“ pflügt mit Slayer-Riffing und bitterem Gesang durch die Landschaft, während „Woke Up To Blood“ fast tribalartig beginnt, sich dann aber in einen massiven Groove ergießt, der an alte Divine Intervention-Zeiten erinnert.

In Stücken wie „Extraction Tactics“ und „Atavistic“ blitzt noch einmal die wilde Energie der alten Tage auf. Schnell, treibend, kompromisslos. Doch immer wieder schleichen sich melodische Untertöne ein, die zwar für Atmosphäre sorgen, aber auch ein wenig von der unbändigen Aggression nehmen, die Dark Angel einst auszeichnete. Man merkt: Die Band will nicht einfach kopieren, sondern moderner klingen, ohne die Wurzeln zu verleugnen. Das gelingt, aber es reißt selten vom Hocker.

Produktionstechnisch bleibt das Album auf der sicheren Seite. Der Sound ist druckvoll, klar, modern, aber vielleicht zu sehr glattgebügelt, um wirklich Old School zu wirken. Ein bisschen mehr Dreck, etwas mehr Rost in den Riffs, etwas mehr Schmutz in der Snare, und das Ganze hätte authentischer geklungen.

„Extinction Level Event“ ist ein gutes Album, solide, ehrlich, routiniert. Aber eben kein Comeback, das Maßstäbe setzt. Die Nähe zu Slayer bleibt hörbar, die Vergleiche unvermeidlich, und man ertappt sich immer wieder dabei, alte Klassiker im Kopf durchzuspulen. Trotzdem: Die Spielfreude ist spürbar, die Songs haben Druck, und Dark Angel beweisen, dass sie noch immer wissen, wie man Thrash spielt.

Ob das reicht, um alte Fans zu überzeugen? Vielleicht nicht alle. Aber wer sich von Nostalgie frei macht und einfach ein gutes, sauber gespieltes Thrash-Album hören will, bekommt hier genau das. Kein Meisterwerk, kein Totalausfall, einfach ehrlicher, kerniger Metal aus erfahrenen Händen.

„Extinction Level Event“ ist kein zweites „Darkness Descends“, aber ein würdiges Kapitel in der langen, widersprüchlichen Geschichte einer Band, die einfach nicht sterben will.
Dark Angel kriegen von mir 6 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist: 

01 Extinction Level Event
02 Circular Firing Squad
03 Woke Up To Blood
04 Apex Predator
05 Sea of Heads
06 Atavistic
07 Scalar Weaponry
08 Scarface the Room
09 E Pluribus Nemo
10 Terror Construct
11 Extraction Tactics

 

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