
© Cold Slither
Geschrieben von: Tim Karow
Band: Cold Slither
Album: Cold Slither
Genre: Hard Rock / Heavy Metal
Plattenfirma: Reigning Phoenix Music
Veröffentlichung: 25.07. 2025
Cold Slither. Der Name klingt wie das Echo aus einer schäbigen Bar im Sumpf, irgendwo zwischen rostigen Strommasten, Schlangenbiss und verbrannter Erde. Und genauso klingt dieses Album. Hier kommt keine Hochglanzproduktion, kein glattpolierter Radio-Rock. Das hier ist das musikalische Äquivalent zu einem rostigen Messer, das dir jemand mit einem Lächeln zwischen die Rippen rammt.
Was Cold Slither mit ihrem selbstbetitelten Debüt abliefern, ist eine Zeitreise durch das Erbe des Hard Rock und frühen Metal, durchzogen von einem rohen Vibe, der an 80s-Cartoon-Bösewichte erinnert. Kein Wunder, denn diese fiktive G.I. Joe-Band hat in den Köpfen echter Musiker offenbar Wurzeln geschlagen. Was als popkulturelles Easter Egg begann, ist jetzt ein donnerndes Biest aus Stromgitarren, pumpendem Groove und einer dunklen Attitüde irgendwo zwischen Swamp Rock und düsterem Heavy Metal.
Ein atmosphärisches, düster waberndes Intro mit brummenden Synths, wo man uns Willkommen heißt und einem seltsamen Gefühl von „Etwas lauert da draußen“. Die perfekte Einstimmung, Gänsehaut garantiert. Hier wird bereits klargemacht: Willkommen in der Finsternis. Das alles macht der erste Track „welcome to the swamp (intro)“.
Der Titelsong „Cold Slither“ tritt dir ohne Umschweife die Tür ein. Rotzige Riffs, ein schleppender Groove à la Sabbath meets Corrosion of Conformity. Der Refrain hat diese giftige Hook, die sich festsetzt – „We are Cold Slither, Heavy Metal Machine“ klingt kitschig? Vielleicht. Funktioniert? Hölle, ja. Hier drehen sie das Tempo auf. Klassischer 80s Glam/Heavy Metal-Vibe mit punkigem Anstrich. Die Gitarren kreischen, das Schlagzeug pumpt, die Vocals erinnern an frühe ungefähr 1978er Judas Priest. Wer hier nicht automatisch die Faust hebt, hat keine Seele oder einen schlechten Musik Geschmack Das Gitarrensolo ist sehr angenehm im Stil von Iron Maiden mit ein bisschen Power Metal Elementen. Der vierte Track „Thunder Machine“ ist ein massives Riffmonster, das sich langsam aufbaut wie eine Gewitterfront. Der Song lebt von seinem treibenden Midtempo-Groove und einem Solo, das klingt, als wäre es durch ein altes Funkgerät gejagt worden. Rostig, dreckig, geil. Mein persönlicher Lieblings Song auf dem Album. Nummer 5, „Zartan‘ Revenge „Erinnert textlich an G.I. Joe, musikalisch aber an eine Mischung aus NWOBHM und Stoner-Rock. Zartan klingt wie ein durchgeknallter Prophet der Apokalypse, und dieser Song ist sein Manifest. Besonders die Bridge zerschmettert alles. Leider klingt hier die Stimme etwas zu monoton. Langsamer, schleppender Blues-getränkter Doom Rock mit kriechendem Basslauf und einer Atmosphäre, die an „Swamp Thing“-Comicpanels erinnert. Bei mehrmaligem Hören habe ich komischer Weiße immer wieder das Lied „Meomory Remains“ von Metallica im Kopf . Ein kurzes, knallhartes Stück, das fast schon Thrash-Grenzen berührt. Die Gitarren sind messerscharf, das Schlagzeug hämmert wie ein Maschinengewehr. Textlich ein einziger Wutschrei ,man spürt die Hitze, den Schmerz, die Raserei. Ein sehr spaßiger Song und live wahrscheinlich ein Highlight. Gerne mehr schnellere Lieder da ich denke , dass sie eher zu Cold Slither passen auch vom Gesang her. „Under The Dreadnok’s Spell“ hat ein Düsteres Gitarren-Intro, ein fast okkulter Unterton und eine schleppende Ballade, die sich gegen Ende in ein brennendes Feuerwerk aus Drums und Gitarrenharmonien verwandelt. Episch und irgendwie verstörend. Jedoch geht dieser Song sehr schnell unter wenn man die anderen Tracks beachtet. Hier wird’s verspielt! „Master of Disguise“ ist ein Song voller rhythmischer Wechsel, verschachtelter Riffs und unheilvoller Vocals. Klingt ein bisschen wie ein verlorene Volbeat Stück! „The Ballad Of Buzzer“ Ironie? Wahrscheinlich. Dieser Song ist eine ruhige Ballade im Gegensatz zu den vorherigen Songs. Abgerundet wirds durch „These Fluffies Are Fatal“. Bitte was? Der Titel klingt nach Plüsch und Wahnsinn, der Song ist ein Heavy-Metal-Abriss mit durchgeknalltem Spoken-Word-Mittelteil. Humorvoll, aber trotzdem brutal, das hier ist die musikalische Version eines explodierenden Kuscheltiers.
Cold Slither liefern mit ihrem Debütalbum keinen Meilenstein der technischen Raffinesse ,und das ist gut so. Stattdessen bekommt man ein kompromissloses, stilistisch vielseitiges, dabei aber wunderbar kohärentes Album, das in jeder Sekunde Spaß macht. Hier regiert der Groove, das Gift und die dunkle Ästhetik eines fiktiven Bösewichts, der sich seinen Platz in der realen Metalwelt erkämpft hat. Man hört die Liebe zum klassischen Metal, spürt aber auch den Willen, sich von der Hochglanzkonkurrenz abzusetzen. Hier ist alles rau, alles roh, alles ehrlich. Keine Triggerdrums, kein Autotune, kein Bullshit.
Wer auf den Sound des 80s-Metal steht, bekommt hier einen neuen Kult-Kandidaten. Cold Slither sind gekommen, um zu bleiben. Und sie lassen eine Schneise aus verbranntem Boden und Ohrwürmern zurück. Ich vergebe dem Debüt Album der Band Cold Slither 9,5 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist:
01 Welcome To The Swamp (Intro)
02 Cold Slither
03 Knock ‘Em Dread
04 Thunder Machine
05 Zartan’s Revenge
06 Snakes On The Bayou
07 Torched
08 Under The Dreadnok’s Spell
09 Master Of Disguise
10 The Ballad Of Buzzer
11 These Fluffies Are Fatal
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