
© Ceremony
Geschrieben von: Johannes „Jojo“ Knopp
Band: Ceremony
Album: Solitary Bleed
Genre: Symphonic Blackened Death Metal
Plattenfirma: No Dust Records
Veröffentlichung: 27.06.25
„Ceremony“ waren mal eine rohe Death-Metal-Band aus den Niederlanden – 1993 mit Tyranny From Above ein echter Underground-Tipp. Heute, 2025, sind sie kaum wiederzuerkennen. „Solitary Bleed“ ist kein brutales Old-School-Gemetzel mehr, sondern ein symphonisch aufgeladenes, theatralisches Werk, das irgendwo zwischen ambitioniertem Konzeptalbum und cineastischen Soundtrack pendelt, was nicht immer in Gänze funktioniert.
Der Opener „Via Dolorosa“ ist mehr als nur ein Intro – er ist ein stimmungsvoller Auftakt, der mit sakralen Chören und düsteren Harmonien sofort eine bedrückende Atmosphäre aufbaut. Man fühlt sich wie in einem verfallenen Kloster, kurz bevor die Hölle losbricht. Kein Gänsehautmoment, aber ein starker Einstieg.
„Only Our Blood“ setzt dann auf klassische Midtempo-Riffs und eine düstere Grundstimmung. Der Song lebt von seinem Groove und der klaren Struktur – nichts Revolutionäres, aber solide. Besonders die Gitarrenarbeit im Refrain hebt sich positiv ab, auch wenn man sich stellenweise etwas mehr Aggression wünschen würde.
Mit „Bull of Phalaris“ wird’s dann deutlich dramatischer. Der Song ist schwer, fast schon schleppend, mit orchestralen Elementen, die nicht immer ganz organisch wirken, aber eine gewisse theatralische Wucht erzeugen. Der Refrain bleibt hängen, und das Thema – der antike Folterstier – passt perfekt zum düsteren Ton.
Der Titeltrack „Solitary Bleed“ ist einer der stärkeren Songs des Albums. Die Gastsängerin Linda van Vugt bringt eine willkommene Abwechslung ins Klangbild, ohne dass es kitschig wird. Der Song ist gut aufgebaut, mit einem Spannungsbogen, der sich langsam entfaltet. Hier funktioniert die Symbiose aus Härte und Melodie besonders gut.
Der vielleicht direkteste Song des Albums ist „Embrace Inferno“, denn er weißt weniger Schnörkel sondern mehr Punch auf. Die Gitarren sind bissiger, das Tempo höher, und der Song wirkt insgesamt fokussierter und wird live mit Sicherheit gut funktionieren.
Etwas überladen fühlt sich „Rites of Sacrifice“ an, denn die orchestralen Elemente wirken hier eher wie ein Zwang als eine Bereicherung. Trotzdem gibt es starke Momente – etwa im Mittelteil, wo die Gitarren kurz Raum bekommen, bevor wieder alles in symphonischem Nebel versinkt.
Überraschend doomig läßt einen der Einstieg von „The Poison Cup“ aufhorchen, da er eine etwas ungewohnte melancholischen Grundstimmung erzeugt. Der Song nimmt sich Zeit, was gut ist – aber er verliert sich etwas in Wiederholungen. Dennoch: ein atmosphärisch dichter Track, der zeigt, dass Ceremony auch leise Töne beherrschen.
Rhythmisch interessant legt mit einem fast schon mechanischen Groove „Pestis Bacteria“ los. Das Stück wirkt wie ein musikalischer Blick durch ein Mikroskop – klinisch, kalt, aber faszinierend. Kein Ohrwurm, aber ein Track, der hängen bleibt, wenn man sich darauf einlässt.
Ein kurzes, instrumentales Intermezzo ist „Ludicium Mortis“ – düster, fast soundtrackartig. Kein Muss, aber als Übergang funktioniert es gut.
Zum Schluss bringt „Stoning Commenced“ nochmal mehr Direktheit. Der Song verzichtet weitgehend auf orchestralen Überbau und setzt auf rohe Energie. Hier blitzt die alte DNA der Band durch – und das steht ihnen gut.
„Bull of Phalaris (Orchestral Version)“ ist ein Bonus, der Geschmackssache bleibt. Wer auf cineastische Metal-Reworks steht, wird hier fündig. Für alle anderen: nett, aber kein Muss.
Was positiv aufällt ist die Atmosphäre & Konzept: Das Album hat eine klare ästhetische Linie. Die düstere, sakrale Stimmung zieht sich konsequent durch und wirkt nie aufgesetzt.Außerdem hat die Band den Mut zur Entwicklung: „Ceremony“ ruhen sich nicht auf Old-School-Death aus, sondern wagen sich an orchestrale und symphonische Elemente – das ist nicht selbstverständlich für eine Band mit ihren Wurzeln.
Hervoruzuheben ist auch die klare, druckvoll, aber nicht überkomprimiert Produktion. Die Instrumente haben Raum, besonders die Gitarrenarbeit kommt gut zur Geltung. Einzelne Highlights sind die Songs wie Solitary Bleed, Embrace Inferno oder The Poison Cup zeigen, dass die Band weiß, wie man Spannung aufbaut und Atmosphäre mit Härte verbindet.
Weniger erfreut mich die zum Teil orchestrale Überladung, denn die symphonischen Elemente in manchen Tracks wirken eher wie ein Zwang als eine organische Erweiterung. Weniger wäre hier manchmal mehr gewesen. Zuweilen fehlt hier und da noch eine oder andere Konstanz im Songwriting, denn meiner Meinung nach, bleiben einige Songs nicht wirklich hängen oder verlieren sich zu sehr in Wiederholungen.
„Solitary Bleed“ ist kein Meilenstein, aber ein Album mit Ambition und Atmosphäre. „Ceremony“ haben sich hörbar weiterentwickelt und wagen sich an eine Mischung aus Symphonic Death und melodischem Pathos, die nicht immer aufgeht – aber oft genug funktioniert, um das Album über den Durchschnitt zu heben.
Es gibt stärkere Songs, es gibt schwächere – aber es gibt vor allem eine Band, die sich nicht mit Mittelmaß zufriedengibt und deshalb vergebe ich 7,5 von 10 Hellfire Punkten.
Tracklist:
01 Via Dolorosa (Way of Suffering)
02 Only Our Blood
03 Bull of Phalaris
04 Solitary Bleed (feat. Linda van Vugt)
05 Embrace Inferno
06 Rite of Sacrifice
07 The Poison Cup
08 Pestis Bacteria
09 Ludicium Mortis
10 Stoning Commenced
11 Bull of Phalaris (Orchestral Version)
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