
Geschrieben von Mathias Keiber
Band: Brass Camel
Album: Camel
Genre: Prog
Plattenfirma: self-released
Veröffentlichung: 16.04.2025
Nach ihrem vielversprechenden Debüt „Brass“ melden sich die kanadischen Progressive-Rocker Brass Camel mit ihrem zweiten Streich zurück. „Camel“ präsentiert sich als fokussiertes und ambitioniertes Werk, besonders das zwölfminütige Epos „Another Day“ navigiert gekonnt durch verschiedene Stimmungen. Die technische Versiertheit der Band dabei ist bemerkenswert – vom solidem Bass bis zu den symbiotischen Gitarren- und Keyboard-Arrangements.
Auch gut: Brass Camel verbinden Classic-Prog-Traditionen mit modernen Elementen. Songs wie „Zealot“ zeigen eine Band, die die Komplexität von Yes und den Groove von King Crimson verinnerlicht hat, ohne wie eine Kopie zu klingen. Besondere Erwähnung verdient auch die Aufnahmequalität: Produziert in den Hipposonic Studios und gemischt von Ben Kaplan, klingt „Camel“ druckvoll und detailliert. Die klassische Prog-Instrumentierung mit Moog, ARP Odyssey und Hammond-Orgel verleiht dem Sound eine authentische Vintage-Atmosphäre.
Gelegentlich wird die Spielfreude allerdings zur Schwäche. In Tracks wie „On the Other Side“ wirken manche Passagen ein wenig überladen und unnötig schrill. Anders gesagt: Die Band neigt dazu, freie Räume mit zusätzlichen Noten zu füllen, wo weniger definitiv mehr gewesen wäre. Aber gut, das kann natürlich auch volle Absicht sein. Unterm Strich ist „Camel“ trotz gelegentlicher experimenteller Ausreißer ein sehr unterhaltsames Progressive-Rock-Album mit exzellenter Produktion.
Und dafür gibt’s von mir 7 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracks:
01 Zealot 11:09
02 Pick of the Litter 04:09
03 Chain Reaction 04:29
04 On the Other Side 05:07
05 Borrowed Time 03:30
06 Another Day 11:56









