
© Alter Bridge
Geschrieben von : Tim Karow
Band : Alter Bridge
Album : Alter Bridge
Genre : Alternative- / Heavy Metal / Post Grunge
Plattenfirma : Napalm Record
Veröffentlichung : 09.01.2026
Es ist zunächst ungewohnt, ein neues Alter Bridge-Album gleich zu Jahresbeginn in den Händen zu halten, inklusive anschließender Tour im März. Über Jahre hinweg war man es gewohnt, dass die Band ihre Releases im Herbst platzierte und die Live-Runde noch vor Weihnachten folgte. Ebenso ungewöhnlich ist die Entscheidung, ausgerechnet das achte Album selbstbetitelt zu veröffentlichen. Ein mutiger Schritt, zumal man argumentieren könnte, dass bereits „Pawns And Kings“ diesen Status verdient gehabt hätte.
Zwei Jahrzehnte gemeinsamer Geschichte, zahllose Touren und die parallelen Aktivitäten der Mitglieder, ob Tremontis Solowerke, Myles Kennedys Projekte mit Slash oder die Wiederbelebung von Creed, haben ihre Spuren hinterlassen. Vergleicht man das Debüt „One Day Remains“ mit diesem Album, wird die Entwicklung sofort hörbar: Alter Bridge sind sich selbst treu geblieben, klingen aber reifer, erfahrener und organischer. Wer alle acht Alben chronologisch hört, erkennt eine stetige, natürliche Evolution statt abrupter Stilbrüche. Alter Bridge standen schon immer für Perfektionismus, allerdings nie steril oder selbstverliebt. Auch hier ist jedes Detail durchdacht: warme, druckvolle Produktion, wuchtige Drums, ein kontrolliert brodelnder Bass, die unverkennbaren Gitarren-Duelle zwischen Tremonti und Kennedy, technisch brillant, aber immer im Dienst des Songs. Die Vocals schweben souverän über allem, kraftvoll und melodisch zugleich. Auffällig ist die wärmere Klangfarbe, die die feinen Details noch stärker hervorhebt und sich mit jedem Durchlauf weiter entfaltet.
Mit „Rue The Day“ und „What Are You Waiting For“ liefert die Band klassische Brecher: präzise Riffs, stampfende Rhythmen und genug Druck, um jede Bühne zum Beben zu bringen, dabei stets eleganter und komplexer als gewöhnlicher Hard Rock von der Stange. „Playing Aces“ knüpft mit seinem galoppierenden Einstieg an frühere Highlights wie Bleed It Dry oder Isolation an und punktet mit einem sofort zündenden, hymnischen Refrain.
Eine klassische Ballade im Stil von „Watch Over You“ oder „Wonderful Life“ sucht man diesmal vergeblich. Am nächsten kommt dem noch „Hang By A Thread“, das sich mit seiner luftigen, positiven Atmosphäre bestens für ein akustisches Live-Intermezzo eignen würde. Interessant ist auch die Verteilung der Gesangsparts: Statt eines reinen Tremonti-Songs teilen sich Myles Kennedy und Mark Tremonti bei „Trust In Me“ und „Tested And Able“ die Vocals, letzterer zählt mit seinem massiven Riff zu den härtesten und stärksten Momenten des Albums. Das absolute Highlight bildet jedoch der über neunminütige Closer „Slave To Master“. Ein episches Finale, das sämtliche Facetten der Bandgeschichte bündelt und in sich schlüssig vereint. Nichts wirkt aufgesetzt, alles fließt natürlich ineinander. Es ist der ambitionierteste Song seit Fortress und ein würdiger Abschluss, der Alter Bridge in Bestform zeigt.
Der Albumtitel ist daher perfekt gewählt: „Alter Bridge“ ist keine Neuerfindung, sondern die bestmögliche Momentaufnahme der Band im Jahr 2025. Niemand wird hier bekehrt, der Alter Bridge bislang nichts abgewinnen konnte, das ist aber auch nicht das Ziel. Stattdessen präsentieren sich die Amerikaner so geschlossen, fokussiert und souverän wie lange nicht mehr. Von mir bekommt Alter Bridge 8,5 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist:
01 Silent Divide
02 Rue The Day
03 Power Down
04 Trust In Me
05 Disregarded
06 Tested And Able
07 What Lies Within
08 Hang By A Thread
09 Scales Are Falling
10 Playing Aces
11 What Are You Waiting For
12 Slaves To Master
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