1914 – Viribus Unitis

© 1914

 

Geschrieben von: Tim Karow 
Band: 1914
Album: Viribus Unitis
Genre: Blackened Death- , Blackened Doom Metal
Plattenfirma: Napalm Records
Veröffentlichung: 14.11.2025

 

Vier Jahre nach „Where Fear And Weapons Meet“ melden sich 1914 mit ihrem vierten Album zurück, und selten war ein Titel so programmatisch wie „Viribus Unitis“. „Mit vereinten Kräften“, das persönliche Motto von Franz Josef I., wird hier zur kämpferischen Parole einer ukrainischen Band, die mitten in Kriegszeiten ungebrochen Haltung zeigt. Dass dieses Album jetzt erscheint, ist mehr als ein Release. Sondern als ein Befreiungsschlag. Und zugleich eine konsequente Weiterentwicklung der Truppe, die historiografische Schwere und musikalische Präzision seit jeher wie kaum eine zweite Band vereint.

„Viribus Unitis“ klingt unmittelbarer als alles, was 1914 bisher veröffentlicht haben. Das Quintett drückt das Gaspedal tiefer durch, zieht die Intensität hoch und entfesselt zehnminütige Epen voller Raserei, Pathos und bitterer Ernsthaftigkeit. Inhaltlich rückt die Band den Fokus weg vom rein dokumentarisch Grausamen hin zu Zusammenhalt, Ausdauer und Kameradschaft, verkörpert durch die tragische Geschichte des ukrainischen Soldaten Ivan, der den Ersten Weltkrieg überlebt, nur um kurz darauf bei einem Gefecht zwischen Russland und seiner Heimat zu sterben. Zeitgenössische Sprachaufnahmen, erweitert eingesetzte Chöre und orchestral arrangierte Klangflächen verdichten die Atmosphäre enorm. 1914 erschaffen hier eine Soundwand, die ab Sekunde eins den Raum dominiert. Der vertraute Death-Metal-Unterbau wird von Doom-Passagen durchzogen, während Black-Metal-Elemente, etwa die infernalischen Schreie am Ende von „1918 Pt. 1: WIA (Wounded in Action)“, das Bild vervollständigen.

Drei Features lockern das düstere Panorama auf.

  • Christopher Scott (Precious Death) bleibt auf „1918 Pt. 2: POW“ eher Beiwerk.
  • Aaron Stainthorpe (ex-My Dying Bride, High Parasite) erhebt „1918 Pt. 3: ADE (A Duty to Escape)“ hingegen zu einem kleinen Epos. Sein klagender, gebrochener Gesang ist hier pure Gänsehaut.
  • Das Finale „1919 (The Home Where I Died)“ gehört Jérôme Reuter (Rome), dessen eindringliche Stimme über dem kalten Klavier das Album mit maximaler Wirkung beschließt. Ein Abschluss, der deutlich macht: Krieg kennt keine Gewinner.

Mit „Viribus Unitis“ liefern 1914 ein starkes, kohärentes Album ohne Ausfälle. Die langen Stücke, früher noch Kritikpunkt, sind nun eine der größten Stärken. Sie sind strukturiert, intensiv, packend, mit einem dramaturgischen Atem, der die Band endgültig aus dem engen Korsett des Kriegsthemas heraushebt und auf eine neue Ebene führt.

Dass die Band damit völlig zurecht den ersten Platz im November-Soundcheck einnimmt, steht außer Frage. 1914 beweisen einmal mehr, dass historische Schwere, musikalische Brutalität und erzählerische Tiefe sich nicht ausschließen, sondern im besten Fall vereinen. Mit vereinten Kräften eben. Ich bin hin und weg von dieser Platte. Ein Muss, für die, die gerne auf geschichtlichem Metal wie Kanonenfieber stehen. Meinerseits kriegt „Viribus Unitis“ 10 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist: 

01 War In (The Beginning Of Fall)
02 1914 (The Siege Of Przemyśl)
03 1915 (Easter Battle For The Zwinnin Ridge)
04 1916 (The Südtirol Offensive)
05 1917 (The Isonzo Front)
06 1918 Pt 1 :  WIA (Wounded In Action)
07 1918 Pt 2 : POW (Prisoner Of War) (feat. Christopher Scott)
08 1918 Pt 3 : ADE (A Duty To Escape) (feat. Aaron Stainthorpe)
09 1919 (The Home Where I Died) (feat. Jerome Reuter)
10 War Out (The End?)

 

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Ein Kommentar

  1. Uwe Uwe Gottschalk

    Kann mich dem nicht Anschließen eigentlich alles Geschreddert.Kommt nicht an den Stosstrupp heran von der The Blind leading the Blind.

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