Heldmaschine – Lügen


Geschrieben von Dirk Draewe

Band: Heldmaschine

Album: Lügen

Plattenfirma: Mp-Records

Veröffentlichung: 21.08.2015

 

Lügen bis sich die Balken biegen

„Lügen“ – das neue Album von Heldmaschine ist nun schon seit dem 21. August 2015 auf dem Markt und ich wollte nicht zuletzt wegen meiner persönlichen Beziehung zur Band eine zu voreilige Rezession abliefern. Mittlerweile habe ich die Koblenzer Band zweimal auf ihrer Lügen-Tour fotografisch begleiten können und ich denke nun ist die Zeit reif… was für ein Wortspiel 😉

Zuerst einmal meine Gesamtmeinung zum Album. War der Vorgänger „Propaganda“ schon ein Sprung nach vorne, so ist den fünf Vollblut-Musikern mit „Lügen“ ein deutlicher Wurf gelungen, der auch die letzten Zweifler überzeugen dürfte. Der Sound klingt sehr viel professioneller abgemischt und jeder Ton bohrt sich direkt in die Gehörgänge… so muss das sein! Was mir auch aufgefallen ist, dass die Band in meinen Augen nun ihren eigenen stilistischen Weg gefunden hat und dieser Weg ist absolut richtig. Doch nun zum Inhalt der CD, die insgesamt 12 Tracks enthält.

Die Songs

Der Opener „Collateral“ ist dem eingefleischten Fan von Heldmaschine ein Begriff, wurde er ja zu Promozwecken schon immer wieder mal bei der Propaganda-Tour gespielt. Auf der CD kommt der Song mit seinem harten Gitarrenriff schon extrem geil und überzeugt auch live hammermäßig. Der Refrain zieht sich melodiös durch den Song, der den Irrsinn des Krieges und dessen Collateral-Schäden wirkungsvoll reflektiert. Der nächste Song „Schwerelos“, ganz klar einer meiner Lieblingssongs, beschreibt die häusliche Gewalt in Familien. Der 6-minütige Track beginnt mit Synti-Klängen um dann in donnernden Gitarren-Drum-Rhytmus zu verfallen und zieht den Hörer mit seinem tragenden, fast schwerelosen Refrain durch den Song. Die Idee zum Song kam Sänger René, als er die Anzahl von Opfern häuslicher Gewalt im Fernsehen hörte. Im übrigen auch ein Phänomen, welches die Band ausmacht… man verpackt aktuelle Themen aus dem sozialen Leben in Songs und reißt damit auch das Publikum mit sich mit. Der nächste Song „Wir Danken Euch“ ist eine Hommage an die treuen Fans und wie sich die Band fühlt, kurz bevor es auf die Bühne geht. Als ich den Song zum ersten Mal hörte, konnte ich mich so gar nicht begeistern. Mittlerweile habe ich ihn aber ein schon ein paar Mal live erleben dürfen, auf der CD sind auch die Live-Sprechchöre der Fans eingespielt und er hat sich in mein Gehör eingebrannt. „Wer Einmal Lügt“ war der erste Track, den ich vor der CD-Veröffentlichung hören durfte und er haute mir mit seinen Dubstep-Klängen und dem extrem harten Gesang und den Riffs fast die Kopfhörer von den Ohren. Genial finde ich bei dem Song auch den Kinderchor, der den Song so einprägsam macht und einen fasziniert. Live gespielt ist der Song auch ein absoluter Kracher, den ich auf der Bühne nicht mehr missen möchte. Bluten einem noch die Ohren, kommt mit den nächsten Song „Ich will Dein Bestes“ ein sehr seltsam anmutender Song. Am Anfang dachte ich mir bei den orientalischen Klänge, was mich da wohl erwarten würde. Aber dann bricht die gesamte Härte vom Sound der Heldmaschine über einen herein. Inhaltlich geht es um Fremdenhass und der sehr aggressive Gesang passt einfach nur zu diesem aktuellen Thema und überzeugt auch live voll und ganz. Mit „Tränenblut“ folgt ein Song, der mit einem Scream und einem druckvollen Industrial-Riff gleich voll in die Eingeweide haut. Als Gastsänger fungieren hier Der Schulz und Daniel de Clerq von Unzucht. Der Song handelt hier von einem Erlebnis während der 2014er Eisheiligen Nächte, wo die beiden Bands gemeinsam tourten. Live benutzt René einen Stimmverzerrer, der mir persönlich live nicht so gut gefällt. Aber der Rest des Songs ist, auch wenn es viele Hasser gibt, auf alle Fälle hörenswert. Bei „Ein Traum“ wird die Heldmaschine etwas melodiöser und ich erwische mich im Auto immer wieder, wie ich den Song lauthals mitgröhle. Prägend ist der weibliche Background-Part im Wechsel mit dem aggressiven Sprechgesang von René. Thematisch ist der Song für mich aufgrund der aktuellen politischen Situation auf alle Fälle eine Punktlandung und zieht mich vielleicht genau deshalb in seinen Bann. Zum Track „Maskenschlacht“ konnte ich anfänglich so gar keinen Zugang finden. Mittlerweile muss ich aber sagen, dass ich den Song absolut mag. Vielleicht liegt es aber auch an der Choreographie (weiße Masken und Schwarzlicht), wenn der Song live performed wird. Vielleicht ist es aber auch einfach der wabernde Sound-Mix aus Synthi-Melodie, treibenden Drums, harten Gitarren-Riffs und einer irrwitzig anmutenden Stimme von René (warum muss ich dabei immer an Jack Nicholson in Shining denken?). „Einmal Ist Keinmal“ ist die einzig richtige Ballade der Scheibe und verleitet den Zuhörer mit ruhigen melodiösen Klängen dazu, die Augen zu schließen, zu träumen um dann bei dem Solo von Gitarrist Tobias endgültig verzaubert zu werden. Inhaltlich kann ich zu dem Song gar nichts sagen, da es der einzige Song ist, dessen Message ich nicht eindeutig raushöre… aber genau das finde ich auch so faszinierend. Man hört eine Song von Heldmaschine und versteht oft erst nach mehrmaligen Hören dessen Aussage. Vielleicht komme ich ja irgendwann mal drauf, momentan habe ich nur mehrere Vermutungen. Der nächste Song reißt den geneigten Zuhörer aber sofort wieder aus seinen Träumen, denn mit „Die Zeit Ist Reif“ (man erinnere sich an meine Einleitung) ist ein richtiger Dampfhammer am Start. Sehr faszinierend finde ich hier den gelungenen Mix zwischen Schreigesang, tiefer Stimme und dem weiblichen sirenenhaften Chor-Gesang. Live gespielt auch für mich ein absoluter Ohrwurm, der auch von einem tollen, wenn auch nur kurzem Solo von Tobias geprägt ist. Bei der „Hammer Fällt“ gibt sich ein weiterer Gastsänger die Ehre, nämlich der Teufel von Tanzwut. Den Abschluss bildet wieder ein Track als Dankeschön an die musikalischen Wurzeln von Heldmaschine, nämlich „Die Roboter“. Wer kennt diesen Song von Kraftwerk nicht? Mir persönlich gefällt dieses Version sehr gut und auch live gespielt ist der Song ein absoluter Hammer, wenn die Jungs mit Westen auf die Bühne kommen, die mit LED-Leuchten besetzt ist.

Zusammenfassung

Heldmaschine hat mit „Lügen“ ein brilliantes Werk auf den Markt geworfen. Einen absoluten Lieblingssongs zu definieren fällt mir schwer, daher lasse ich es lieber. Wer mich nun nach meiner Kaufempfehlung fragt, dem kann ich nur sagen: „… geht zum Music-Dealer Eures Vertrauens und holt Euch die Scheibe!“. Wer die Jungs noch noch nie live gesehen hat und auf Neue Deutsche Härte / Industrial Metal steht, sollte dies schleunigst nachholen.

 

Tracklist:

  1. Collateral
  2. Schwerelos
  3. Wir Danken Euch
  4. Wer Einmal Lügt
  5. Ich Will Dein Bestes
  6. Tränenblut
  7. Ein Traum
  8. Maskenschlacht
  9. Einmal Ist Keinmal
  10. Die Zeit Ist Reif
  11. Der Hammer Fällt
  12. Die Roboter

 

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